Grußwort der Geschäftsführung

Peter Kropsch, Vorsitzender der dpa-Geschäftsführung
Sehr geehrte Damen und Herren,
an Nachrichtenlagen hatte das Jahr 2025 wahrlich keinen Mangel. Die dpa verzeichnete mit über 1.560 Eilmeldungen den höchsten Stand bisher – gut 160 mehr als im Vorjahr. US-Präsident Donald Trump war mit 225 Eilmeldungen die mit Abstand am häufigsten erwähnte Einzelperson. Etwa ein Viertel davon drehte sich um seine Zollpolitik. Aus der jüngeren Geschichte ist keine Einzelperson mit einer auch nur annähernd hohen Zahl an Eil-Erwähnungen bekannt – Trump kam allein 2025 auf deutlich mehr Eilmeldungen als Joe Biden in seiner gesamten vierjährigen und Barack Obama in seiner achtjährigen Amtszeit. Der Vatikan lieferte den Grund für zwei der superseltenen Blitz-Meldungen – eine zum Tod von Papst Franziskus am 21. April und die zweite zur Wahl des US-Amerikaners Robert Prevost zum neuen Papst am 8. Mai. Die Berichterstattung über die Deutsche Bundespolitik hatte mit der Bundestagswahl und der Wahl von Friedrich Merz zum Kanzler im zweiten Anlauf ihr stärkstes Thema.
Während ich für die Faktensuche zu diesem ersten Absatz bisher wohl mindestens eine halbe Stunde gebraucht hätte, geht es nun wesentlich leichter: die Eingabe des simplen Prompts „Was waren die größten Nachrichtenlagen 2025 in der dpa-Berichterstattung?“ in unsere seit 2025 neu am Markt befindliche Plattform dpa-News Hub reichte aus. Knapp 6.000 User arbeiten bereits damit. Sie hat sich in Windeseile bei unseren Kunden durchgesetzt. Der Launch der Plattform ist deshalb ein bedeutender Schritt für uns, weil er zwei Prinzipien „verheiratet“: erstklassigen Nachrichtenagentur-Journalismus und Technologie, die Antworten auch auf komplexe Themen unmittelbar verfügbar macht.
Der Ausbau der Handlungsfähigkeit der dpa in einer von Künstlicher Intelligenz getriebenen Informationswelt ist ein zentrales strategisches Ziel des Unternehmens. Das dpa-Angebot an Dienstleistungen und Produkten mit KI-Impact ist nur eines von mehreren Feldern, die wir vorantreiben. Mit dem Projekt dpa-iq gehen wir 2026 in die nächste Ausbaustufe – die Verknüpfung von dpa- mit Kundeninhalten.
In der Redaktion bleibt klassische journalistische Verantwortung das oberste Prinzip. Aber unsere Teams arbeiten künftig KI-unterstützt. Zum Beispiel in unserem neuen Redaktionssystem RUBIX bei der Zusammenstellung von Inhalten und beim Zugriff auf das dpa-Archiv. Die dpa-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter erhalten durch Schulungen die entsprechenden Fertigkeiten. Sie werden aber auch auf Chancen und Gefahren vorbereitet.
Das Jahr 2025 ist für die dpa mit einem soliden Ergebnis zu Ende gegangen. Der Konzernjahresüberschuss liegt mit 1,9 Millionen Euro genau im angestrebten Zielkorridor. Beim Konzernumsatz zeigt sich ein leichter Rückgang. Allerdings ist die Betriebsleistung gestiegen. Sie zeigt den Gesamtertrag unserer Aktivitäten inklusive der sonstigen betrieblichen Erträge. Diese sind durch die Einkünfte aus der Bildrechteverfolgung stark angewachsen.
Die Wahrnehmung der Inhalterechte ist für die dpa mittlerweile zu einem zentralen Thema geworden. Die Lizenzierung von Inhalten ist das einzige Geschäftsmodell im Kerngeschäft mit Nachrichtendiensten. Es ist die Grundlage unserer Existenz. Die dpa steht hier vor mehreren Herausforderungen gleichzeitig.
Der schnelle Markteintritt von KI-Unternehmen setzt die dpa unter Druck, ihr Vertragswesen den neuen Rahmenbedingungen anzupassen. KI-Unternehmen können nach geltendem EU-Recht Inhalte für Datamining von digitalen Angeboten „absaugen“, wenn der Betreiber dies nicht auf maschinenlesbare Art untersagt. Damit drohen dpa-Inhalte, die in den Angeboten unserer Kunden enthalten sind, an OpenAI & Co. abzufließen – entgeltfrei und ohne jede Möglichkeit, die Inhalterechte einzufordern.
Der dpa-Aufsichtsrat hat sich in mehreren Sitzungen intensiv mit dieser Problematik auseinandergesetzt. Schließlich verabschiedete er ein Preismodell, das die beiden zurzeit gängigsten Use Cases abdeckt: die Weitergabe von bearbeiteten dpa-Inhalten durch unsere Kunden an KI-Unternehmen und die Bereitstellung durch Verzicht auf den maschinenlesbaren Rechtevorbehalt.
Auch durch die unberechtigte Verwendung von Bildern im digitalen Raum steht die dpa zahlreichen Rechtsverletzungen gegenüber. Hier betreibt die dpa gemeinsam mit Dienstleistern ein ausgezeichnet dokumentiertes Verfahren zur Rechteverfolgung. Ein weiteres Gebiet der Rechtssicherung, mit dem sich die dpa 2025 beschäftigt hat, ist die Verwendung von dpa-Inhalten für Medienbeobachtung.
Wir sind überzeugt, dass die nachdrückliche und lückenlose Wahrnehmung von Rechten an Inhalten die Voraussetzung der langfristigen Existenz von Nachrichtenagenturen ist. Gemeinsam mit dem europäischen Agenturverbund EANA bringt sich die dpa in die aktuelle Weiterentwicklung des Rechtsrahmens für die Nutzung von journalistischen Inhalten in Europa ein. Die dpa stellt dabei den Chairman des Copyright Committee der EANA.
Im dpa-Kernmarkt Medien setzte sich 2025 der Konzentrationsprozess fort. Bislang eigenständige Tageszeitungsverlage ordneten sich in größere Unternehmensgruppen ein. Die zur SWMH gehörende Medienholding Süd wechselte zur Neuen Pressedruck-Gruppe Ulm. Bei ProSiebenSat.1 wurde die italienische Media for Europe Mehrheitseigentümer. Bei den digitalen Angeboten machten sich die ersten Anzeichen des Einsatzes von KI-Zusammenfassungen bei den großen Plattformen bemerkbar, indem die vermittelten Zugriffe in einzelnen Bereichen zurückgingen. In dieser Situation der Transformation unterstützt die dpa die Bemühungen unserer Medienkunden um gesteigerte Effizienz in vielfältiger Weise. Eine „AG Print“ kümmert sich um die maßgeschneiderte Anlieferung von Inhalten für gedruckte Tageszeitungen, um den Aufwand bei den Kunden zu optimieren. Für neue Formate stellt die dpa sogenannte Video-Cleanfeeds zur Verfügung. Sie ermöglichen die Produktion individueller Beiträge mit dpa-Bewegtbildinhalten für Social-Media-Plattformen.
Für die Unternehmenskunden und die institutionellen Kunden wurde 2025 intensiv an Produktinnovationen gearbeitet. Das traditionell in Unternehmen verankerte Produkt „dpa-Select“, das eine maßgeschneiderte Auswahl an Nachrichten für Entscheidungsträger liefert, wird aktuell von Grund auf überarbeitet und 2026 als „dpa-Explore“ auf den Markt kommen. Auch news aktuell, die größte Tochtergesellschaft der dpa, erweitert ihr Programm um die Möglichkeit, Videostatements bei aktuellen Lagen als „na Voices“ abzugeben.
Wesentlich verbreitert hat die dpa-infocom ihr Verification-Programm. Angesichts drohender Verluste von Einzelaufträgen baut das Unternehmen sein Leistungsspektrum sowohl bei der Überprüfung von Informationen aus als auch die verbundenen Trainings. Verifikationskompetenz zusammen mit technischer Expertise floss in die Entwicklung von „dpa-Checkmate“. Hier unterstützt die dpa TV-Talk-Formate mit Echtzeit-Faktenchecks, die in kürzester Zeit in die laufende Diskussion einfließen können. Ein Testbetrieb mit einem großen Sender ist Anfang 2026 erfolgreich verlaufen.
Dies sind nur einige Beispiele von Produktinnovationen, mit denen wir unsere Kunden in ihrer eigenen Transformation unterstützen.
Mit der von uns zusammen mit rund 60 Partnern aus Medien, Stiftungen und Institutionen getragenen Initiative #UseTheNews widmen wir uns der Nachrichten- und Informationskompetenz junger Zielgruppen. Nach dem Großprojekt „Jahr der Nachricht“ verfolgen wir für die nächsten Jahre zwei Ziele – Nachrichtenformate zu entwickeln, über die junge Erwachsene sagen: „Ja, das ist jetzt nützlich für mein Leben.“ Gleichzeitig arbeiten wir gemeinsam mit der Politik daran, dass allen Schülern bis zum Jahr 2030 ein verlässliches Angebot zum Thema Nachrichten- und Informationskompetenz zur Verfügung steht. Von den zahlreichen Engagements der dpa ist #UseTheNews wahrscheinlich jenes mit dem größten Nachhaltigkeitspotenzial.
Der große Dank für das erfolgreich bewältigte Geschäftsjahr 2025 gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der gesamten dpa-Gruppe. Ebenso großer Dank gilt unseren Kunden – oft sind sie auch gleichzeitig Eigentümer –, die diesen Weg gemeinsam mit uns gehen.
„Es sind Jahre der ständigen Veränderung, die hohe Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit aller im Konzern tätigen Menschen stellen.“
Es sind Jahre der ständigen Veränderung, die hohe Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit aller im Konzern tätigen Menschen stellen. Mit Markteintritt generativer Künstlicher Intelligenz stehen wir – nach Internet, Suchmaschinenökonomie und Social Media – an der nächsten großen Wegkreuzung unserer Branche. Unsere Strategie „Adapt to Grow“ trifft genau die beiden Imperative der Gegenwart: Wir müssen uns laufend an die aktuellen Entwicklungen anpassen, und wir müssen Wachstum schaffen. Angesichts der oben geschilderten Belastungen der Märkte ist ein Halten der Umsätze, wie es die dpa in den letzten beiden Jahren geschafft hat, eine respektable Leistung. Aber es reicht für die nachhaltige Zukunftssicherung nicht aus. Bereitschaft zur Anpassung, Freude an Innovation zusammen mit der Energie unserer Teams wird uns helfen, wieder in eine gute Wachstumsdynamik zu kommen.
Künstliche Intelligenz ist heute in der Lage, Inhalte zu generieren, die sich nur noch mit großer Expertise von Inhalten unterscheiden lassen, die von Menschen stammen. Das macht echte journalistische Leistungen noch wichtiger, als sie es je waren. Liberale demokratische Gesellschaften sind darauf angewiesen, dass Entscheidungen von Menschen auf Basis verlässlicher Information getroffen werden. Es ist der Wesenskern der dpa, unserem Land eine Grundversorgung faktentreuer, ausgewogener und unabhängiger Nachrichten bereitzustellen. Unsere Funktion verstehen wir wie die eines Leuchtturms, auf den Menschen blicken können, wenn sie verlässliche Orientierung brauchen. Dafür werden wir auch 2026 mit all unserer Energie arbeiten.
Mit herzlichen Grüßen aus Hamburg
Ihr
Peter Kropsch
April 2026