Die Spurensicherung arbeitet an dem Auto, mit dem ein Attentäter in eine Menschenmenge auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt gerast ist. Sechs Menschen starben bei dem Anschlag.
MAGDEBURG 20.12.2024
![]()
Hendrik Schmidt
dpa-Fotograf,
Leipzig
Freitag. 19.43 Uhr. Vier Tage vor Heiligabend. Das Abendbrot steht auf dem Tisch. Mein Telefon klingelt. „Hendrik, kannst du nach Magdeburg fahren? Ein Auto ist in eine Menschenmenge gefahren, mehr wissen wir im Moment nicht.“ Während ich meine Ausrüstung packe, verdichten sich die Informationen für einen Anschlag. Die 90 Minuten Fahrt kommen mir vor wie in einem schlechten Traum. Zivilfahrzeuge der Polizei rasen in irrem Tempo an mir vorbei, die Nachrichten im Radio kennen nur ein Thema. Als ich in der Stadt ankomme, herrscht eine seltsame Stimmung. Polizei steht schwerbewaffnet um den Tatort, lässt niemanden mehr in die Nähe. Es folgen Pressestatements eines Ministerpräsidenten, den ich nie emotionaler erlebt habe. Einer Oberbürgermeisterin, die von Tränen überwältigt wird. Wir kennen Bilder von solchen Anschlägen. Bisher schien das weit weg. Jetzt war es hier. Nach ersten Fotos, die im Chaos noch möglich waren, blieb irgendwann nur der Blick auf einen leeren, abgesperrten Weihnachtsmarkt. Wo steht das Tatfahrzeug? Viele Kolleginnen und Kollegen, auch ich, fingen an zu suchen.
Irgendwann sehe ich in der Dunkelheit, weit weg, das Auto an einer Kreuzung. Durch mein starkes Teleobjektiv kann ich sehen, wie die Spurensicherung an dem Wagen beschäftigt ist. Ich fotografiere und filme die Szene. Professionell, wie wir das in unserem Beruf gewohnt sind – man funktioniert – äußerlich. Innerlich bin ich geschockt. Später weiß man, fünf Frauen im Alter von 45, 52, 67 und 75 Jahren sowie ein neunjähriger Junge starben. Knapp 300 wurden verletzt.