Geschäftsbericht
2024
38/57

III. PROGNOSE-, CHANCEN- UND RISIKOBERICHT  

1. Prognosebericht 

Für das Geschäftsjahr 2025 erwarten wir aus organischem Wachstum angesichts anhaltender Auflagenverluste und damit verbundener Erlösstagnation im Kernmarkt nur einen leichten Anstieg der Umsatzerlöse. Das in der Planung ausgewiesene Umsatzwachstum von rund 3,4 Mio. Euro kommt überwiegend aus der erstmals ganzjährig wirksamen Verlagerung der WebLine-Produkte der dpa-infocom zur dpa-Muttergesellschaft im Zuge der geplanten Integration der Digitalredaktion in die dpa-Zentralredaktion zum 1. Juli 2024. Darüber hinaus wird u. a. auch bei den neueren Produkten wie Custom Content und dpa-Video mit weiterem Wachstum gerechnet. 

Aufgrund steigender Aufwendungen durch umsatzgetriebene Kostenpositionen und an­stehende Tarifanpassungen sowie in Summe deutlich sinkender Ergebnisbeiträge der Tochtergesellschaften, insbesondere durch die Verlagerung der WebLine Dienste bei der dpa-infocom, rechnen wir damit, einen Jahresüberschuss von etwa 1,0 bis 1,2 Mio. Euro zu erzielen.

Beim Personalaufwand ist zu berücksichtigen, dass eine um EUR 0,2 Mio. höhere Zuführung zur Unterstützungskasse geplant wurde und dass das Vorjahr durch die Inflationsausgleichs­prämie belastet wurde.

Inwieweit das tatsächlich am Markt zu erzielende Umsatzplus dann schlussendlich das im Budget prognostizierte Umsatzwachstum widerspiegelt und damit das Jahresergebnis der dpa beeinflusst, bleibt angesichts der eingetrübten Konjunkturaussichten abzuwarten.

Perspektivisch gehen wir aber auch für das Jahr 2026 von leicht steigenden Gesamt­umsätzen aus und rechnen unter dem Strich mit einem Jahresüberschuss in ähnlicher Höhe wie 2025. Inwieweit wir daran festhalten können, wird sich aus der weiteren Entwicklung der Wirtschaftslage und nicht zuletzt aus den Ergebnissen der dann wieder anstehenden Verhandlungen mit den Tarifpartnern ergeben.

2. Chancen- und Risikobericht

In einem insgesamt herausfordernden Marktumfeld setzt die dpa-Gruppe weiterhin auf Transformation und Wandel, um ihren Kunden passende und Nutzen schaffende Produkte und Services zu bieten. Dafür hat die dpa eine neue Mittelfriststrategie erarbeitet, die als Guideline für die Geschäftstätigkeit der kommenden Jahre dient. Die Strategie trägt den Titel „Adapt to Grow“ und wurde von den Führungskräften des Konzerns in mehreren Sitzungen gemeinsam entwickelt. Im Mittelpunkt stehen die Themen Künstliche Intelligenz, Video und digitale Exzellenz. Dabei setzt die dpa-Gruppe auf den Ausbau verifizierter, multimedialer Inhalte, Datenkompetenz und neue Beratungsleistungen, um zusätzliche Wachstumsimpulse zu schaffen. „Adapt to Grow“ ist eine Weiterentwicklung der bisherigen Magic-Marketplace-Strategie.  

Die dpa sieht in einer ganzheitlichen Betrachtung der Geschäftstätigkeit den Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft. Dazu gehört auch die Nachhaltigkeitsberichterstattung. 2024 hat die dpa ihren zweiten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Obwohl das Unternehmen noch nicht der Berichtspflicht untersteht, hat die Agentur verschiedene Kennzahlen sowie Initiativen und Ziele offengelegt. Auch hat die dpa erstmals ihre Wertschöpfungsketten systematisch untersucht und transparent gemacht. Außerdem ist das Thema Nachhaltigkeit stärker als bisher in den Geschäftsprozessen des Unternehmens verankert worden. 

Ein weiteres Schwerpunktthema war die fortlaufende Digitalisierung und Automatisierung von Arbeitsprozessen. Hierzu müssen Unternehmen ihre Belegschaft befähigen, mit den neuesten Technologien Schritt zu halten. Ein entscheidender Grundstein hierfür wurde mit der Kooperation mit You.com gelegt, um durch generative KI verifizierten und faktentreuen Journalismus zu unterstützen und zu bereichern. In der Schaffung eines RAG-Modells, das die Inhalte der dpa für eine KI-basierte Nutzung aufbereitet, liegen große Chancen für die Agentur. Das gemeinsam mit You.com entwickelte RAG wird sich einerseits positiv auf die Arbeitsweise der eigenen Redakteurinnen und Redakteure auswirken. Andererseits ergeben sich Chancen daraus, dass diese Anwendung den Kunden als neues Produkt zur Verfügung gestellt wird. Mit dem Ziel, die Organisation und Beleg­schaft erfolgreich durch die Veränderungen zu führen, ging schließlich das interne Führungs­kräftenachwuchs-Programm „dpa steps“ mit angepasstem Konzept in eine neue Runde. Für das Jahr 2025 ist der Ausbau einer internen „dpa Academy“ für die Unternehmensgruppe geplant, um durch gezielte interne Personalentwicklung flexibel und agil auf die sich schnell verändernden Marktbedingungen zu reagieren.

Mit der Schaffung eines neuen Vertriebsbereiches stärkt die dpa das Partnermanagement und die Betreuung institutioneller Kunden. Das Team Public Policy und Platform Partnerships steuert die Kundenbeziehungen zu Regierungen, Parlamenten, Parteien, Behörden, öffentlichen Stiftungen und Organisationen sowie digitalen Plattformen. Im Mittelpunkt stehen die Weiterentwicklung von Partnerschaften und die schnellere Umsetzung kundenspezifischer Anforderungen. Mit der neuen Vertriebsstruktur sieht die dpa die Chance, das für diesen Wachstumsmarkt wichtige Beziehungsmanagement zu stärken und durch die Vernetzung der Aktivitäten zusätzliche Effektivität zu gewinnen.

Desinformation – ob gezielt oder unabsichtlich in die Welt gesetzt – stellt eine ernstzunehmende Gefahr für den gesellschaftlichen Diskurs dar. Die dpa hat ihre Tätigkeit im Bereich Factchecking weiter intensiviert und die Vernetzung mit anderen Faktencheckorganisationen vorangetrieben. Unter anderem konnte die Initiative Faktencheck24 fortgesetzt werden, in deren Rahmen verschiedene Trainings für Journalistinnen und Journalisten angeboten werden. Mit neuen Inhalten und einem KI-Schwerpunkt hat die dpa ein umfassendes und gleichzeitig niedrigschwelliges Schulungsprogramm für Journalistinnen und Journalisten erarbeitet. Außerdem hat die dpa zusammen mit ihren Partnern das Teen Fact-Checking Network (TFCN) ausgebaut, ein Toolkit für mehr Medienkompetenz für Schulen und andere Einrichtungen entwickelt, sich im Projekt FactCRISIS gegen Klima-Desinformation engagiert und an einer Kampagne zur Sensibilisierung für KI-generierte Inhalte teilgenommen.

Noch unklar ist, wie sich das Ende des Factcheckings auf Metas US-Plattformen auf den deutschen und europäischen Markt auswirken wird. Meta hatte im Januar 2025 angekündigt, in den USA die Zusammenarbeit mit unabhängigen Faktencheck-Organisationen zu beenden. In Europa wäre ein solches Vorgehen wesentlich schwieriger umzusetzen, da sich die regulatorischen Vorgaben in den EU-Ländern von der amerikanischen Praxis elementar unterscheiden.

Auch mit den Aktivitäten im „Jahr der Nachricht“ hat die dpa sich dafür eingesetzt, dass unabhängiger und überparteilicher Nachrichtenjournalismus auch in Zukunft eine Säule der Information unserer liberalen, demokratischen Gesellschaft ist. Zusammen mit verschiedenen Partnern aus der Medienbranche und Zivilgesellschaft wurden zahlreiche Aktivitäten mit dem Ziel initiiert, die Nachrichtenkompetenz junger Menschen zu fördern, damit diese die Informationen auch entsprechend einordnen können. Dazu zählten eine Kommunikationskampagne unter dem Claim „Nachrichten, die stimmen statt Stimmung machen“, von einem Social News Desk produzierte Video- und Audio-Formate, regionale Newscamps für Schülerinnen und Schüler sowie Kooperationsprojekte zwischen Partnerschulen und Lokalredaktionen. Tausende Jugendliche und junge Erwachsene wurden auf diese Weise mit Journalismus in Berührung gebracht.

Erstmals wurde 2024 auch ein dpa-Journalist bei der Arbeit getötet. Fotograf Anas Alkharboutli wurde Anfang Dezember durch den Angriff eines Kampfflugzeugs in der Nähe der syrischen Stadt Hama getötet. Er wurde nur 32 Jahre alt. Seine herausragende Arbeit ist international mehrfach gewürdigt worden. 2020 hat er die Young Reporter Trophy des renommierten französischen Prix Bayeux für Kriegsberichterstattung erhalten. Bei den Sony World Photography Awards gewann er 2021 die Kategorie Sports mit einer eindrucksvollen Bildserie über Kinder beim Karatetraining. In Erinnerung an einen hervorragenden und mutigen Journalisten hat die dpa zahlreiche Fotos von Anas Alkharboutli im Berliner Newsroom ausgestellt. 

Der Tod von Anas Alkharboutli mahnt, dass Journalistinnen und Journalisten insbesondere in Kriegs- und Krisengebieten vielfältigen Gefahren ausgesetzt sind. Die dpa ist sich ihrer Verantwortung und ihrer Fürsorgepflicht gegenüber ihren Beschäftigten bewusst. Die Agentur stellt Sicherheitsausrüstung und psychologische Betreuung zur Verfügung, um einen best­möglichen Schutz zu gewährleisten. 

Ein weiteres Risiko, dem die dpa und ihre Beschäftigten ausgesetzt sind, liegt im Bereich der Informationssicherheit. Hackerangriffe und sonstige digitale Attacken können im Extremfall bedeuten, dass die Berichterstattung der dpa eingeschränkt oder erheblich erschwert wird. Die dpa arbeitet intensiv daran, den Schutz vor Angriffen kontinuierlich hochzuhalten und zu verbessern. Zusätzlich wurde während des Berichtsjahres die Abteilung für Informations­sicherheit weiter ausgebaut und in den Strukturen der dpa verankert. Im Laufe des Jahres wurden verschiedene Krisenübungen abgehalten, Informationssicherheitstrainings für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns durchgeführt und die internen Abläufe insgesamt weiter geschärft und konkretisiert.

Aktuell sind keine bestandsgefährdenden Risiken erkennbar, deren Eintritt wahrscheinlich ist. 

Trotz stabiler Zahlen für das Geschäftsjahr 2024 ist die dpa aufgrund der unsicheren Weltlage und den noch nicht absehbaren Auswirkungen der Politik der neuen US-Regierung unter Donald Trump zu höchster Wachsamkeit verpflichtet. Deren unmittelbare Folgen für den deutschen und europäischen Wirtschaftsraum sind noch nicht einzuschätzen. Die gedämpften wirtschaftlichen Erwartungen an 2025 unterstreichen die Notwendigkeit, vorausschauend und vorsichtig zu agieren und die strategischen Ziele konsequent zu verfolgen.