Geschäftsbericht
2024
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Drohnenfoto der eingestürzten Carolabrücke in Dresden. Die Spannbetonbrücke stammt noch aus DDR-Zeiten und wies strukturelle Defizite auf.

DRESDEN 11.09.2024




Robert Michael
dpa-Fotograf, 
Dresden 

Dresden, 11. September 2024, 5.22 Uhr: „Grüß dich, nimm mal deinen Fotoapparat, steh mal auf, lauf mal vor Richtung Carolabrücke, die ist zu Großteilen eingestürzt, viel Spaß.“ Nach dieser Nachricht eines Bekannten auf meiner Mailbox, er hatte bereits dreimal angerufen, stand ich buchstäblich im Bett. Da ich unweit der Brücke wohne, konnte ich schnell mit dem Fahrrad vor Ort sein, nicht wirklich glaubend, dass es wahr ist. 

Gedanklich spulte ich sofort alle möglichen Positionen durch, von denen ich versuchen sollte zu fotografieren. 6.03 Uhr, das erste Bild im Dienst. Nur durch eine lange Belichtungszeit konnte man die in die Elbe gestürzten Brückenteile sichtbar machen. Das liebe ich so an der Fotografie. Dinge sichtbar machen, die man sonst übersieht oder gar nicht erkennt. Passanten fragten mich, was ich denn dort eigentlich fotografiere. Ich wusste sofort, dieses Ereignis ist historisch.  

Am Boden hatte ich gegen Mittag alle mir möglichen Positionen abgefahren und jeweils mehrere Motive in den Dienst gesendet. Für wenige Minuten ließ ich die Drohne steigen, um auch eine Perspektive aus der Luft anzubieten. Als gebürtiger Dresdner lässt mich dieses Ereignis bis heute nicht los.