Ein Mann sitzt inmitten eines Abrissareals vor einer provisorischen Hütte, die ihm als Schutz vor der Witterung dient. Im türkischen Antakya waren bei dem verheerenden Erdbeben von 2023 unzählige Häuser zerstört oder beschädigt worden.
ANTAKYA 04.02.2024
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Boris Roessler
dpa-Fotograf,
Landesbüro Frankfurt (Main)
Dort, wo dieses Foto entstanden ist, bin ich im Jahr zuvor noch durch meterhohe Trümmer von Wohnhäusern gelaufen, die beim Erdbeben innerhalb von Sekunden wie Kartenhäuser zusammengestürzt waren. In den Monaten danach hatten die Bagger ganze Arbeit geleistet und weite Teile des riesigen Gebiets vom Schutt befreit. Zurückgeblieben waren schlammige, unwirklich leer wirkende Areale, aus denen die wenigen noch stehenden Gebäude wie Fremdkörper in die Höhe ragten. Inmitten dieses riesigen Areals habe ich den winzigen Verschlag des Mannes aus der Entfernung zunächst für einen Haufen übriggebliebener Trümmer gehalten. Erst bei genauerem Hinsehen habe ich den Mann entdeckt, der vor seinem aus Brettern und Schrott zusammengezimmerten Unterstand auf einem Stuhl hockte und ins Nichts blickte. Es war kalt und hat genieselt, dennoch hat der Mann mir mit Händen und Füßen versucht zu erklären, dass um ihn herum einst Häuser gestanden haben. Im Nachhinein habe ich es sehr bedauert, kein Türkisch zu sprechen, denn ich bin mir sicher, dass der „Mann auf dem Stuhl“ mir noch viel mehr hätte erzählen können.