Geschäftsbericht
2023
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III. PROGNOSE-, CHANCEN- UND RISIKOBERICHT  

1. Prognosebericht 

Für das Geschäftsjahr 2024 erwarten wir aus organischem Wachstum angesichts anhaltender Auflagenverluste und damit verbundener Erlösstagnation im Kernmarkt nur einen leichten Anstieg der Umsatzerlöse. Das in der Planung ausgewiesene Umsatzwachstum von rund 3,2 Mio. Euro kommt zu einem Großteil aus der Verlagerung der Web-Line-Produkte der dpa-infocom zur dpa-Mutter­gesellschaft im Zuge der geplanten Integration der Digitalredaktion in die dpa-Zentralredaktion zum 1. Juli 2024. Darüber hinaus wird auch bei den neueren Produkten wie Custom Content und dpa-­Video mit weiterem Wachstum gerechnet. 

Aufgrund steigender Aufwendungen durch umsatzgetriebene Kostenpositionen und anstehender Tarifanpassungen und leicht sinkender Ergebnisbeiträge der Tochtergesellschaften, bei einer um 1,0 Mio. Euro geringeren Zuführung zur Unterstützungskasse, rechnen wir damit, einen Jahresüberschuss von etwa 1,0 bis 1,2 Mio. Euro zu erzielen. Inwieweit der tatsächliche Tarifabschluss dann letztlich die aktuellen Forderungen der Tarifpartner widerspiegelt und damit das Jahresergebnis der dpa beeinflusst, bleibt abzuwarten.

Perspektivisch gehen wir auch für das Jahr 2025 von leicht steigenden Gesamtumsätzen aus und rechnen unter dem Strich mit einem Jahresüberschuss in ähnlicher Höhe wie 2024. Inwieweit wir daran festhalten können, wird sich aus der weiteren Entwicklung der Wirtschaftslage und nicht zuletzt aus den Auswirkungen des genannten Tarifabschlusses ergeben.


2. Chancen- und Risikobericht  

Die Gesamtsituation der dpa zeigt sich weiterhin stabil. Neben dem dominierenden Thema KI und der Eröffnung des richtungweisenden neuen Newsrooms in Berlin bieten sich für Deutschlands größte Nachrichtenagentur weitere wesentliche Chancenfelder. Dazu gehören verschiedene Nach­haltigkeits­maßnahmen sowie mehrere interne Initiativen, die auf die individuelle Förderung und das Wohlergehen der Beschäftigten am Arbeitsplatz einzahlen, wie beispielsweise das Führungskräfteentwicklungsprogramm „Mastering Future Leadership“ oder auch die Aktivitäten einer Diversity AG. 

Die dpa hat im Berichtsjahr 2023 ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht und damit einen Grundstein für die Etablierung von nachhaltigem Wirtschaften und Arbeiten gelegt. Im Mittelpunkt des Reports stehen soziale, ökologische und ökonomische Handlungsfelder, zusammengefasst unter den Begriffen „People, Planet, Prosperity“. 

Erstmals können dann Kennzahlen miteinander verglichen und die Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr konkret dargestellt werden. Die dpa sieht in der nachhaltigen Ausrichtung des Unternehmens bessere Chancen in öffentlichen Ausschreibungen (insbesondere auch auf EU-Ebene) und als Arbeitgebermarke. Erfahrungsgemäß haben nachhaltig und divers aufgestellte Marken bessere Chancen, High Potentials langfristig an sich zu binden.

Dass die dpa als attraktive Arbeitgeberin wahrgenommen wird, ist mitentscheidend für den Erfolg des Unternehmens. Insbesondere die Förderung und Bindung von Führungskräften ist von hoher Bedeutung. So hat die dpa Anfang 2023 das konzernweite Führungskräfteentwicklungsprogramm „Mastering Future Leadership“ mit 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gestartet. Mit der AG Diversity will die dpa die Belegschaft sensibilisieren und für Vielfalt und Toleranz am Arbeitsplatz werben. Die Beschäftigung mit den Themen Frauen und Führung, soziale Herkunft und ethnische Herkunft stehen ganz oben auf der Prioritätenliste. Im Berichtsjahr 2023 sticht die Veranstaltungsreihe „ElevateHer – Frauen vernetzen, Chancen steigern!“ heraus.

Zeitgemäße Arbeitsumgebungen können oft ausschlaggebend für Zufriedenheit und Engagement in der Belegschaft sein. Neben der Eröffnung des Newsrooms in Berlin hat sich die dpa intensiv mit der Weiterentwicklung der Neuen Arbeitswelten am Unternehmenssitz in Hamburg beschäftigt. So konnten mittlerweile zwei weitere neu gestaltete Etagen an die Beschäftigten von Vertrieb und IT übergeben werden. Die dpa hat das bewährte Prinzip von Shared Desks sowie einem Mix von Begegnungs- und Kreativflächen ausgeweitet und damit ihre Attraktivität als zukunftsweisende Arbeitgeberin gesteigert. 

Ein Risiko stellen nach wie vor mögliche Angriffe von Hacker-Gruppen auf die IT-Infrastruktur der dpa dar. Glücklicherweise konnten im Berichtsjahr keine erfolgreichen Angriffe durchgeführt werden. Dieser Umstand ist gleichzeitig ein Beleg für den Erfolg der ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen durch das IT-Security-Team. Die dpa arbeitet kontinuierlich daran, die Sicherheit ihrer Netzwerke zu gewährleiten und die Abschirmung vor eventuellen Angriffen stetig zu verbessern. So fand unter anderem im Berichtsjahr ein ganztägiger Workshop für Softwareentwicklerinnen und -entwickler statt, in dem es darum ging, IT-Security von Anfang an mitzudenken. Der Workshop wurde von der Beratungsfirma HACKATTACK durchgeführt. Außerdem hat die dpa-IT neue Sicherheitsbestimmungen für Passwörter eingeführt. 

Bei den anstehenden Tarifverhandlungen ergibt sich das Risiko, dass der tatsächliche Tarifabschluss deutlich über den eingeplanten Gehaltssteigerungen liegt und somit das Jahresergebnis der dpa erheblich beeinflusst. Um den Gehaltssteigerungen entgegenzuwirken, sind bereits jetzt konkrete Struktur- und Einsparmaßnahmen eingeleitet worden, die abhängig von der Höhe des tatsächlichen Tarifabschlusses noch einmal nachgeschärft werden.

Um dem Ausfall- und Liquiditätsrisiko der Finanzanlagen und den damit verbundenen Forderungen zu begegnen, betreibt die dpa ein aktives Finanzrisiko- und Forderungsmanagement. Die langfristigen Anlagen werden risikoavers angelegt. Durch die Besetzung von Organfunktionen bei verbundenen Unternehmen und Beteiligungen durch eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips können wir Risiken minimieren und jederzeit kurzfristig auf aktuelle Entwicklungen reagieren.

Seit 2022 wird die dpa über das Führungssystem Objective & Key Results (OKR) gesteuert. Neben den Konzern-OKRs erstellen 16 Units Bereichs-OKRs, die einerseits auf die Konzern-OKRs einzahlen und dazu eigene Bereichsziele definieren. Die OKRs werden quartalsweise nachgehalten. Damit erlauben sie ein sehr kurzfristiges Reagieren auf Einflüsse, die auf die dpa wirken, und tragen damit wesentlich zum Aussteuern der unternehmerischen Risiken bei. So konnten 2023 auf Basis der OKR-Systematik in den einzelnen dpa-Units sehr rasch Aktivitäten in Bezug auf das dynamische Fortschreiten von KI-Technologien gesetzt werden. Die Konzern-OKRs werden in jedem Quartal in einer Townhall betriebsöffentlich gemacht und tragen so zu Transparenz und Vertrauen im Unternehmen bei. 

Aktuell sind keine bestandsgefährdenden Risiken erkennbar, deren Eintritt wahrscheinlich ist.

Trotz stabiler Zahlen für das Geschäftsjahr 2023 ist die dpa aufgrund des Ukraine-Konflikts und des Krieges in Gaza sowie deren unmittelbaren Auswirkungen auf Deutschland und auf die deutsche Wirtschaft zu höchster Wachsamkeit verpflichtet. Inflation, hohe Energiepreise und insgesamt eingetrübte wirtschaftliche Erwartungen an 2024 unterstreichen die Notwendigkeit des Kurses, der vorausschauendes Agieren mit gebotener Vorsicht und gleichzeitig konsequenter Verfolgung der strategischen Ziele verbindet.