Obwohl also der Digitalmarkt zahlreiche positive Perspektiven bietet, betonen die Deutschland-Ergebnisse des Reuters Institute Digital News Report 2023 einen Rückgang des Interesses an tagesaktuellen Informationen. Demnach interessieren sich nur noch 52 % der erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer für Nachrichten. Im Vorjahr waren es noch 57 % gewesen. Auffallend ist daneben auch die sogenannte News Avoidance, also der absichtliche Verzicht auf Nachrichtenangebote. Jeder zehnte Erwachsene in Deutschland versucht demnach oftmals aktiv Nachrichten zu vermeiden. 65 % versuchen dies zumindest gelegentlich. Grund hierfür ist, dass regelmäßige Berichte über Kriege, Krisen und Gewalt offenbar die bewusste Ablehnung fördern. Demgemäß gibt mehr als die Hälfte (58 %) der Befragten in der Reuters-Studie an, sehr an positiven Nachrichten interessiert zu sein. Ein ebenfalls hohes Interesse wird an Nachrichten geäußert, die Lösungen vorschlagen (53 %), sowie an Nachrichten, die dabei helfen, komplexe Themen zu verstehen (50 %).
Insgesamt ist zu beobachten, dass das Vertrauen in etablierte Medien weiter sinkt. Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem Titel „Welchen Nachrichten kann man noch trauen?“ zeigt auf, dass die Menschen glauben, sich immer weniger auf die Informationen der öffentlich-rechtlichen Angebote verlassen zu können. Demnach waren im Zeitraum Oktober 2019 bis Januar 2020 noch 78 % der Ansicht, die Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Medien seien alles in allem glaubwürdig. Im Herbst 2020 hat sich dieser Anteil auf 74 % verringert, und zum Jahreswechsel 2022/23 waren es nur noch 70 %. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Untersuchung von Infratest dimap im Auftrag des WDR, die im Dezember 2023 veröffentlicht wurde. So sei das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk seit 2020 um 17 Prozentpunkte zurückgegangen (auf 53 %) und bei den Tageszeitungen um 12 Prozentpunkte (auf 46 %). Die Mainzer Langzeitstudie Medienvertrauen betrachtet das Thema in ihrer jüngsten Veröffentlichung von Mai 2023 aus einem etwas anderen Winkel. Die Autorinnen und Autoren zeigen auf, dass das Vertrauen der Deutschen in die Medien zwar aktuell geringer ausgeprägt ist als in Corona-Zeiten, es aber trotzdem über dem Niveau von vor der Pandemie liegt. So sagten 2022 49 %, dass sie den Medien „eher“ oder „voll und ganz“ vertrauen könnten. 2019 waren dies 43 % gewesen.
Neben dem Vertrauensverlust von Teilen der Bevölkerung gegenüber journalistischen Angeboten gehören auch tätliche Angriffe auf Medienschaffende sowie Attacken im digitalen Raum in den Fokus der Betrachtung. Reporter ohne Grenzen berichtet von 45 Medienschaffenden, die 2023 im Zusammenhang mit ihrer Arbeit ums Leben gekommen sind. Trotz Ukraine- und Gaza-Krieg wurden damit weniger Journalistinnen und Journalisten getötet als im Vorjahr, nämlich 16 weniger und damit die niedrigste Zahl seit 2002 (33). Daneben beziffert Reporter ohne Grenzen die Zahl der inhaftierten Medienschaffenden zum 1. Dezember 2023 weltweit mit 521. Ihre Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 8,4 % gesunken. 264 Journalistinnen und Journalisten sind allein in China (einschließlich Hongkong), Myanmar, Belarus und Vietnam inhaftiert.
Angriffe auf Medienschaffende gehören in Deutschland mittlerweile mehr oder weniger zum Alltag. Die Attacken reichen von Beleidigungen und Einschüchterungen bis hin zu tätlichen Übergriffen während der Berichterstattung, insbesondere bei Protestveranstaltungen und Demonstrationen. So berichtet ROG von 103 körperlichen Angriffen auf Journalistinnen und Journalisten im Jahre 2022. Dies ist der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 2015. (Für 2023 lagen zum Zeitpunkt der Erstellung des Lageberichtes noch keine Zahlen vor.) Insgesamt hat sich Deutschland damit auf der Rangliste der Pressefreiheit weiter verschlechtert und ist auf Rang 21 abgerutscht.