Geschäftsbericht
2023
27/56


LAGEBERICHT



I. GRUNDLAGEN DES UNTERNEHMENS 

Gegenstand des Unternehmens ist die Sammlung, Verarbeitung und Verbreitung von Nachrichten, Bildmaterial, Audios, Grafiken und Videos jeder Art. Zu diesem Zweck garantiert ein enges Netz von Redaktionen und Korrespondentenbüros in Deutschland und der Welt eine eigene Nachrichten­beschaffung, und zwar unparteiisch und unabhängig von Weltanschauungsfragen, Wirtschafts- und Finanzgruppen oder Regierungen. So schreibt es der Gesellschaftsvertrag der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH vor. 

Die dpa beliefert mit diesem Material alle Arten von Medien: Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunksender und Onlineangebote. Auch Institutionen, Organisationen und Unternehmen gehören zu den Kunden von Deutschlands größter Nachrichtenagentur und stellen neben den Medien wichtige Ertragssäulen dar.

Mit seinen Diensten ist das Unternehmen im Wesentlichen im Inland tätig. Aus dem Inlandskundenkreis stammen auch die rund 170 Gesellschafter der dpa. Dazu werden in mehr als hundert Ländern dpa-Dienste angeboten und vertrieben, sowohl in deutscher Sprache als auch auf Arabisch, Englisch und Spanisch sowie auf Französisch, Serbisch und Russisch. Dadurch trägt die dpa dazu bei, deutsche Themen und die deutsche Perspektive im Ausland zu verbreiten sowie die wichtigen Werte der Presse­freiheit und Unabhängigkeit zu fördern.



II. WIRTSCHAFTSBERICHT 

1. Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen

Die wirtschaftliche Lage Deutschlands im Jahr 2023 wurde maßgeblich von den Folgen des Krieges in der Ukraine, den steigenden Energiepreisen und den erhöhten Lebenshaltungskosten geprägt. Die durchschnittliche Inflationsrate betrug 5,9 %. Das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtet von einem Rückgang des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 0,3 %. Damit hat sich die Erholung der deutschen Wirtschaft von den Pandemie-Auswirkungen nicht weiter fortgesetzt. Zudem haben ungünstige Finanzierungsbedingungen aufgrund steigender Zinsen und eine geringere Nachfrage aus dem In- und Ausland die Stimmung eingetrübt. Im Vergleich zur gesamtwirtschaftlichen Situation konnten die Dienstleistungsbereiche ihre Aktivitäten im Vorjahresvergleich allerdings erneut ausweiten. Der Anstieg fiel insgesamt schwächer aus als in den beiden vorangegangenen Jahren. Den größten preisbereinigten Zuwachs verzeichnete dabei der Bereich Information und Kommunikation mit +2,6 % und knüpfte damit an seine langjährige Wachstumsgeschichte an. Die Zahl der Erwerbstätigen erhöhte sich im Jahr 2023 um 0,7 %. Die Wirtschaftsleistung wurde von durchschnittlich 45,9 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht.

Insgesamt zeigt sich das Bild einer Medienbranche, die sowohl ökonomisch als auch gesellschaftlich unter Druck steht. So kämpfen die klassischen Tageszeitungen weiterhin mit den Auswirkungen des digitalen Wandels. Obwohl laut Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) immer noch die Hälfte der deutschen Bevölkerung täglich Zeitungen liest, ging die Gesamtreichweite im Vergleich zum Vorjahr weiter zurück, wie die agma 2023 zeigt. Zeitungen erreichten insgesamt 34,6 Millionen Menschen über 14 Jahren, was einer Leserschaft von 49,4 % der deutschsprachigen Bevölkerung entspricht. Die regionalen Abozeitungen haben hierbei mit 28,6 Millionen Lesern pro Tag die höchste Reichweite (Vorjahr: 29,1 Millionen). Kaufzeitungen erreichen täglich 7,7 Millionen (Vorjahr: 8,2 Mil­lionen) und überregionale Abo-Zeitungen 3,8 Millionen (Vorjahr: 3,9 Millionen) Leserinnen und Leser.

Ein differenzierteres Bild über die Reichweite journalistischer Angebote zeigt die neue TZ-Konvergenzdatei, die auf Daten der agma 2023 Tageszeitungen beruht sowie auf den daily digital facts (ddf) der Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (agof). Diese bietet kombinierte Print-Digital-Reichweiten von Tageszeitungen. Demnach erreichen digitale und gedruckte Zeitungen täglich zusammen 64,1 % der deutschsprachigen Bevölkerung über 14 Jahre. Insbesondere regionale Abozeitungen werden konsumiert: 51,4 % der Deutschen blättern täglich und 77,6 % wöchentlich in den Print- und Online-Ausgaben der Titel. Gemäß TZ-Konvergenzdatei sind Tageszeitungen bei leitenden An­gestellten und Beamten sowie Selbständigen und Freiberuflern beliebt. Hier verzichten 73,3 % (leitende Angestellte) und 70,5 % (Selbständige) nicht auf ihre tägliche Lektüre.

Digitalverkäufe von elektronischen Tageszeitungen stiegen im vierten Quartal 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 7,3 % auf 2,77 Millionen abgesetzte Exemplare. Das berichtet der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). 1,69 Millionen digitale Zeitungsexemplare – und damit weit mehr als die Hälfte aller Verkäufe – werden im regelmäßigen Abonnement bezogen. Das ist ein Plus von 9,8 % im Vergleich zum Vorjahr und zeigt, dass die digitale Lektüre für immer mehr Leserinnen und Leser zur Gewohnheit wird. Laut der gemeinsamen Studie „Trends der Zeitungs­branche 2024“ von BDZV und Highberg (ehemals Schickler) erwarten die Unternehmen der Zeitungsbranche eine Verdreifachung des digitalen Umsatzanteils binnen fünf Jahren. Wesentliche Chancen liegen demnach beim weiteren Wachstum im Paid-Content-Bereich sowie in der Digitalisierung bestehender Print-Abonnements.

Der Online-Medienkonsum in Deutschland ist grundsätzlich weiterhin sehr hoch. Laut der Online­studie 2023 von ARD und ZDF nutzen acht von zehn Menschen täglich das Internet für verschiedene Formate wie Videos, Mediatheken, Nachrichten, Musikstreaming, Podcasts oder Social Media. Jeder zweite Bundesbürger schaut täglich Videoinhalte online, während 37 % täglich digitalen Audio-Content konsumieren. Besonders hervorzuheben ist die steigende Beliebtheit der Mediatheken von ARD und ZDF, die mittlerweile einen festen Platz im Medienkonsum der Deutschen einnehmen. Die öffentlich-rechtlichen Angebote verzeichneten im vergangenen Jahr jeweils Höchstwerte, wobei mehr als die Hälfte der Bevölkerung (ARD 54 %, ZDF 55 %) Sendungen dort abgerufen hat. 

Auch die Podcast-Nutzung in Deutschland ist weiterhin hoch – selbst wenn die Zahlen mittlerweile stagnieren und ein Peak erreicht scheint. Nach einer Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom konsumieren 43 % der Bundesbürger ab 16 Jahren Podcasts – das entspricht 29,7 Millionen Menschen und damit dem Niveau von 2022. Unter den Jüngeren zwischen 16 und 29 Jahren hört sogar mehr als die Hälfte Podcasts (52 %).