Geschäftsbericht
2023
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Geschäftsmodell, B2B und Social

Ann-Marie: Ich habe mich gefragt, warum wir keine eigene Social-Media-Abteilung haben.

Peter: Na ja, was wäre denn da das Geschäftsmodell dahinter? Wir müssen sehr radikal darauf schauen, dass unsere Geschäftsmodelle auch funktionieren. Der Bereich Social würde momentan für uns als dpa nur als B2B-Modell funktionieren. Das würde heißen, ich muss meinen Kunden irgendwas bieten, womit er ein Geschäft machen kann. Ich sage immer: Wenn wir Produkte machen, sollen die das Potenzial haben, eine Million Umsatz zu machen innerhalb von drei Jahren. Und das sehe ich bei Social im Moment noch nicht wirklich.

Ann-Marie: Ich habe in der Digitalredaktion mitgearbeitet an so einem Testprojekt: B2B-Social-Content. Und das lief super. Aber ich glaube, man braucht mehr Ressourcen, um das umzusetzen.

Peter: Ich bin sehr gespannt. Das ist ein Thema, mit dem wir experimentiert haben. Das war mit insgesamt drei Testkunden, und da hören wir uns jetzt die Reaktion an. Der nächste Test ist dann die Zahlungsbereitschaft. Ich glaube, dass wir da auf einem guten Weg sind.  

Hilal: Bei KI haben wir im April 2023 gesagt: Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bitte kommt auch auf uns zu, wenn ihr Ideen habt. Die KI-Schulungen haben aber jetzt erst angefangen. Muss man diese Labor-Situation nicht früher ermöglichen?

Peter: Wir haben in der dpa-Gruppe drei Typen an Organisationen: Die Pioniere, die gut im Ausprobieren sind. Die Städtebauer, die sind gut in festen Strukturen, die immer funktionieren müssen. Und dazwischen kommen die Siedler, die haben schon ganz gute Strukturen, die können aber auch ausprobieren. KI wird relativ wenige Steine so liegen lassen, wie sie bisher liegen. Das heißt, wir müssen uns dem Thema stellen. Es ist eine Herausforderung, das in eine Organisation hineinzubekommen, die immer funktionieren muss, ohne sie zu lähmen.

Benedikt: Nervt es euch manchmal, dass wir nur B2B-Geschäft haben?

Sven: Ich wusste ja, worauf ich mich einlasse. Es gibt uns auch einen gewissen Freiheitsgrad. Die letzten zehn, fünfzehn Jahre hat sich die Agentur stark verändert in diese Labor-Situation hinein. Wenn wir mit Kunden etwas gemeinsam machen, haben wir auch ein gemeinsames Produkterlebnis. Das kann frustrierend sein oder Erfolgserlebnisse produzieren. Das Einzige, was wir natürlich immer gerne hätten, wäre ein schnelleres Feedback. Deswegen ist Video für uns so ein faszinierendes Element. Beim Fernsehen wissen wir relativ gut: Wenn es im Morgenmagazin gelaufen ist, dann hat das 1,1 Millionen Menschen erreicht.

Peter: Die nächsten fünf Jahre werden in der Medienlandschaft große Jahre der Transformation sein. Da werden hoffentlich viele Modelle von traditionellen Verbreitungsformen auf eine Digitalform übergehen – am Ende hoffentlich mit einem guten Ausgang, dass sich damit Journalismus auch weiter finanzieren lässt. Es wird ein erhöhtes Maß an Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen erfordern. Und die dpa muss dabei eine aktive Enabler-Rolle spielen.

Es gibt zwei Dinge, auf die die dpa bei den Kunden schauen muss, und das ist leider relativ brutal. Wo macht man mit unseren Produkten mehr Umsatz, und wo hat man weniger Kosten damit? Je größer die Ausschläge auf beiden Seiten sind, desto notwendiger wird eine dpa sein. Und desto besser können wir unseren Purpose, nämlich verlässliche, ausgewogene, unabhängige Informationen zu liefern, in die Zukunft führen. 

Benedikt: Vielen herzlichen Dank euch allen. Ich finde, das war ein sehr anregendes Gespräch. Und ich freue mich, wenn wir das nächstes Jahr zum 76. Jubiläum wiederholen!