Geschäftsbericht
2022
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III. PROGNOSE-, CHANCEN- UND RISIKOBERICHT  

1. Prognosebericht 

Für das Geschäftsjahr 2023 erwarten wir beim Umsatz angesichts anhaltender Auflagenverluste und damit verbundener Erlösstagnation im Kernmarkt nur einen leichten Anstieg von rund 2 Mio. Euro, der im Wesentlichen durch die Entwicklung der neueren Aktivitäten wie Custom Content, dpa-Select oder dpa-Audio getrieben wird. 

Aufgrund leicht steigender Aufwendungen durch umsatzgetriebene Kostenpositionen und erhöhten technischen Kosten zur Beschleunigung wesentlicher Innovationsprojekte gepaart mit einer wieder deutlich reduzierten Zuführung zur Unterstützungskasse von insgesamt 1,7 Mio. Euro und wegfallenden Sonderaufwendungen für sportliche Großereignisse rechnen wir damit, ein Ergebnis von etwa 1,0 bis 1,3 Mio. Euro zu erzielen. Inwieweit der Ukraine-Krieg, die Energiepreis-Thematik sowie die Inflationsentwicklung auch im Geschäftsjahr 2023 ihre Spuren hinterlassen werden, bleibt zunächst abzuwarten und erfordert gegebenenfalls ein erneutes Gegensteuern wie bereits in Vorjahren anlässlich der Corona-Pandemie.

Perspektivisch gehen wir für das Jahr 2024 erneut von leicht steigenden Gesamtumsätzen aus und rechnen unter dem Strich mit einem Jahresüberschuss in ähnlicher Höhe wie 2023. Inwieweit wir daran festhalten können, wird sich aus der Dauer und Intensität der Krisensituation und ihren Auswirkungen auf das Geschäftsjahr 2023 ergeben.


2. Chancen- und Risikobericht  

Zur Festigung und Weiterentwicklung der aktuell guten wirtschaftlichen Lage hat die dpa eine detaillierte Nachhaltigkeitsstrategie auf den Weg gebracht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden dafür die Grundlagen geschaffen und ein entsprechendes interdisziplinäres Team gebildet. Vor dem Hintergrund einer 2025 einsetzenden Berichtspflicht veröffentlicht die Agentur im Jahresverlauf 2023 ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht auf Basis des internationalen Standards GRI (Global Reporting Initiative) für die Muttergesellschaft dpa GmbH. 

Im Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit versteht die dpa ihre Arbeit als eine gesellschaftliche Verpflichtung. Diese ethische Werteorientierung bildet das Fundament für das Geschäftsverhalten der Deutschen Presse-Agentur. Mit ihrem nachhaltigen Wirtschaften sichert die dpa eine langfristig angelegte Balance, die es der Agentur ermöglicht, ihrer Rolle als überparteiliches Gemeinschafts­unternehmen der deutschen Medien auf Dauer gerecht zu werden.

Das Zusammenspiel aus Sozialem, Ökologie und Ökonomie („People, Planet, Prosperity“) bildet den strategischen Rahmen, an dem die dpa ihren Nachhaltigkeitsprozess ausrichtet. Mit Hilfe einer Umfrage unter den Beschäftigten des Konzerns, einer sogenannten Wesentlichkeitsanalyse, wurden neun maßgebliche Handlungsfelder bestimmt. Neben CO2-Fußabdruck und Mobilität gehören unter anderem auch Themen wie New Work, Weiterbildung, Governance und verantwortungsvolles Geschäftsverhalten dazu. 

Geschäftsführung und Chefredaktion sehen neben einem Beitrag für eine klimafreundliche Gesellschaft auch viele Chancen für das Unternehmen. Diese liegen insbesondere in zwei Bereichen. Zum einen bewerten Geschäftspartner und Einkaufsabteilungen vorliegende Klima-Zertifizierungen zunehmend als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der dpa. Im negativen Fall können potenzielle Kunden von einer Auftragsvergabe absehen, sofern die dpa die geforderten Zertifikate nicht vorlegen kann. Mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie ist die dpa in der Lage, auf diese Entwicklung konstruktiv zu reagieren.

Zum anderen ist es für die Beschäftigten der dpa sowie für Menschen, die sich auf einen Arbeitsplatz bei der Agentur bewerben, zunehmend wichtig, einen Arbeitgeber gefunden zu haben, der sich glaubhaft für ein nachhaltiges Wirtschaften engagiert. Die Erwartungen beschränken sich hier nicht allein auf die Reduzierung des CO2-Abdrucks oder die Klimaneutralität, sondern auch auf soziale Aspekte, Vielfalt und auf einen gesellschaftlich relevanten Unternehmenszweck (Purpose). 

Die dpa hat erkannt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein wesentlicher Faktor für den langfristigen wirtschaftlichen und publizistischen Erfolg sind. Die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und vielversprechende Menschen auf Jobsuche für die dpa zu begeistern, ist auf einem sich verändernden Arbeitsmarkt eine der großen Herausforderungen. Um die Chancen für das Unternehmen im HR-Bereich zu optimieren und möglichst viel über Stimmungen und Einschätzungen in der Belegschaft zu erfahren, hat die dpa eine Mitarbeitenden-Umfrage gestartet. Resultat: Neben einer stark ausgeprägten Zustimmung in den Bereichen Engagement, Identifikation und mobiles Arbeiten wurden mehrere Entwicklungspotenziale deutlich. So gilt es für die dpa, sich eingehend mit den Aspekten Stress und Arbeitsbelastung, Entwicklungsmöglichkeiten und Veränderungsprozessen zu beschäftigen. 

Konzernintern wurden mehrere Leuchtturm-Projekte gestartet, die zusätzliche Anforderungen an den Personalbereich beinhalten, so zum Beispiel die Projekte Diversity und Nachhaltigkeit. Ebenso wurden personalstrategisch wesentliche Maßnahmen im Bereich Organisations- und Personalentwicklung initiiert. Das neue dpa-Führungskräfteentwicklungsprogramm „Mastering Future Leadership“ wurde ins Leben gerufen. 15 potenzielle Kandidaten (m/w/d) für Schlüsselpositionen im Konzern auf der obersten Führungsebene bzw. C-Level starteten im 4. Quartal 2022 mit ihrer Ausbildung. Weiterhin hat der Aufbau interner bedarfsorientierter Schulungsangebote für Mitarbeitende und Führungskräfte begonnen, um den Anforderungen an die (Zusammen-)Arbeit in der neuen hybriden Arbeitswelt zu begegnen und so gleichzeitig die Bindung und Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu steigern. Dazu sind erste Pilot-Workshops mit Führungskräften und Mitarbeitenden aus verschiedenen Konzern­gesellschaften und Organisationsbereichen durchgeführt worden.  

Schließlich hat die Resonanz auf die geschaffenen Angebote im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) gezeigt, dass wir hier als Arbeitgeber eine wichtige Unterstützung zur Gesund­erhaltung unserer Beschäftigten bieten. In Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner bieten wir psychologische Betreuung als Akutintervention, bedeutsam gerade in Krisenzeiten, etwa bedingt durch Krieg oder Naturkatastrophen, sowie psychologische Einzel- oder Gruppen-Coachings an.

Neben den hier genannten Optimierungsfeldern ist auch das Arbeitsumfeld selbst entscheidend für den Grad der Identifizierung und der Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber. Aus diesem Grund hat die dpa das Entstehen der Neuen Arbeitswelten weiter vorangetrieben. Am Stammsitz am Hamburger Mittelweg wurde ein weiteres Stockwerk komplett entkernt und an die Erfordernisse einer zeitgemäßen Arbeitsumgebung angepasst. Ebenso wie in anderen Bereichen sind auch hier Shared Desks, Focus-Boxen und zusätzliche Meetingräume für Besprechungen und gemeinsames Arbeiten entstanden. Weitere Bereiche des Gebäudes werden in absehbarer Zeit nachziehen. Nach ähnlichen Prinzipien wurden auch die Schreibtische und Co-Working-Zones im neuen Newsroom der Zentralredaktion in Berlin gestaltet. Der Standort Frankfurt sowie die größte Tochtergesellschaft news aktuell haben sich ebenfalls mit neuen Raum- und Ausstattungskonzepten beschäftigt. 

Den Risiken im Zusammenhang mit dem weiter fortschreitenden Auflagenrückgang bei den Print­medien begegnen wir durch die sukzessive Umstellung der Kunden auf das neue Preismodell, das insbesondere neben der Printreichweite auch die Online-Reichweite berücksichtigt. Bei der Mehrheit der Tageszeitungskunden und privaten Radiostationen greift das neue Preismodell bereits jetzt. Zusätzlich werden neue, innovative Angebote entwickelt.

Die Attacken von Hackergruppen mit dem Ziel, sensible Daten zu erbeuten oder ganze Systeme lahmzulegen, sind zu einem der zentralen Risikothemen geworden. Im Zuge eines in Teilen erfolgreichen Angriffs auf einen IT-Dienstleister im HR-Bereich sind die dpa und ihre Beschäftigten in den Fokus von Cyberkriminellen geraten. Glücklicherweise konnte nach eingehenden Analysen mit Hilfe externer Spezialisten festgestellt werden, dass die Angreifer keine sensiblen Daten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erbeuten konnten und dass die IT-Systeme der dpa zu keinem Zeitpunkt gefährdet waren. Die dpa hat diesen Angriff zum Anlass genommen, ihre Zusammenarbeit mit Dienstleistern unter IT-Sicherheitsaspekten erneut eingehend zu überprüfen und Optimierungspotenziale aufzudecken. 

Insgesamt hat die dpa ihre IT-Sicherheitsmaßnahmen weiter verstärkt und die Beschäftigten mit regelmäßigen Online-Trainingsprogrammen für die Gefahren sensibilisiert. Die IT-Sicherheitsfachleute der dpa haben sich mit den Teams anderer Medienhäuser vernetzt und waren selbst Gastgeber einer CISO-Konferenz (Chief Information Security Officer). Zusammenfassend ist festzustellen, dass die dpa-Gruppe und ihre Beschäftigten für die Abwehr von Cyberattacken gut gerüstet sind. Die dpa ist sich bewusst, dass dieses Thema auch in den kommenden Jahren weit oben auf der Liste möglicher Risiken stehen wird.

In Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und eventuellen Störungen der Infrastruktur in Deutschland hat die dpa für sich und ihre Kunden einen Krisenplan entwickelt, um auf eventuelle Lieferengpässe und Stromausfälle vorbereitet zu sein. So hat sich die dpa zeitnah um die Bevorratung mit IT-Geräten und Zubehör bemüht sowie um eine vorausschauende Ausstattung der Notstromaggregate mit Kraftstoff. Darüber hinaus hat sich die Agentur mit alternativen Belieferungswegen im Fall von Systemausfällen sowie zusätzlichen Diensten für die Kunden im Krisenfall beschäftigt („#dpa_BE_PREPARED“). 

Um dem Ausfall- und Liquiditätsrisiko der Finanzanlagen und den damit verbundenen Forderungen zu begegnen, betreibt die dpa ein aktives Finanzrisikomanagement. Die langfristigen Anlagen werden risikoavers angelegt. Durch die Besetzung von Organfunktionen bei verbundenen Unternehmen und Beteiligungen durch eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips können wir Risiken minimieren und jederzeit kurzfristig auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (einschließlich die gegen Gesellschafter) werden zeitnah verfolgt und durch ein konsequentes Forderungsmanagement reduziert.

Aktuell sind keine bestandsgefährdenden Risiken erkennbar, deren Eintritt wahrscheinlich ist.

Trotz stabiler Zahlen für das Jahr 2022 und einem vorsichtig optimistischen Ausblick auf 2023 ist die dpa in Zusammenhang mit den Auswirkungen des Ukraine-Konflikts und dessen unmittelbaren Auswirkungen auf Deutschland und auf die deutsche Wirtschaft weiterhin zu höchster Wachsamkeit verpflichtet. Es gilt die damit verbundenen Risiken frühzeitig zu erkennen und sofern erforderlich umgehend geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen.