Parallel zum Umzug des Newsrooms treibt die dpa die Entwicklung ihres modularen und multimedialen Produktionssystems Rubix weiter voran. Mittlerweile setzen die beiden redaktionellen Bereiche Kindernachrichten und Sport die vielseitige Software im Echtbetrieb ein und liefern damit wertvolle Erkenntnisse für die weitere Roll-out-Planung. Erstes Zwischenfazit: Rubix hat sich bei der Fußball-WM in Katar bewährt – ein Großereignis, das höchste Ansprüche in Bezug auf Stabilität und Schnelligkeit an das Produktionssystem einer Nachrichtenagentur stellte. Rubix wird wesentlich von einem dpa-eigenen Entwicklungsteam programmiert. Roll-outs in weiteren Bereichen stehen bevor. Erste interessierte Agenturen aus dem In- und Ausland beschäftigen sich mit der Anwendung.
Ein wesentlicher Meilenstein für die dpa und ihre publizistische Relevanz ist die Etablierung des European Newsroom (enr) in Brüssel, von wo aus eine Community von 18 europäischen Nachrichtenagenturen ihre Berichterstattung aus Europas Hauptstadt stärkt. Der European Newsroom verfügt an zwei Standorten über 45 Arbeitsplätze für Korrespondentinnen und Korrespondenten der teilnehmenden Agenturen. Neben der dpa bilden die AFP (Frankreich), ANSA (Italien), AGERPRES (Rumänien) und HINA (Kroatien) die Kerngruppe und den Lenkungsausschuss. Die EU unterstützt das Projekt.
Für Aufmerksamkeit auf internationaler Bühne sorgte ein Interview mit Olaf Scholz, das der Bundeskanzler unter Federführung der dpa den G7-Nachrichtenagenturen gegeben hat. Das englischsprachige Interview, in dem sich Scholz ausführlich über die Lage in der Ukraine und über die Haltung des Westens äußert, wurde im englischen, spanischen und arabischen Dienst der dpa veröffentlicht sowie in den Diensten der Agenturen AP, AFP, Press Association, Kyodo, ANSA und Canadian Press. Parallel wurde eine 15-minütige TV-Version publiziert.
Im Personal-Tableau der dpa-Gruppe hat es im Verlauf des Berichtsjahrs mehrere Veränderungen gegeben. So hat die Agentur ihre Aufstellung in Süddeutschland neu geordnet. Neben seiner Funktion als Landesbüroleiter Bayern hat Roland Freund jetzt auch die Leitung der Landesdienst-Redaktion in Baden-Württemberg übernommen. Der Englische Dienst wird von einer neuen Doppelspitze bestehend aus der bisherigen Redaktionsleiterin Helen Maguire sowie Robin Powell geleitet. Annette Meinke nimmt die Leitung der Ratgeberredaktion wahr. Die Geschäftsführung der dpa-infografik GmbH liegt neu bei Ira Kugel. Jirka Albig ist Geschäftsführer der dpa-infocom GmbH geworden.
Die Bereiche Video und Audio sind langfristige und wichtige Wachstumsfelder für die Agentur. So wurde die neu geschaffene Stelle des Head of Video mit Marc-Oliver Kühle besetzt, der von Bild TV zur dpa wechselte. Seine Aufgabe ist es, für TV-Kunden und Digitalpublisher die passenden Angebote zu entwickeln. Zusätzliche Expertise konnte die dpa auch im Audio-Bereich gewinnen. Als Editorial Head of Podcast stieß David Krause zur Agentur. Er kümmert sich um neue und spannende Podcast-Formate. Neben der Auftrags-Serie „Troll Army – Russlands Krieg im Internet“ wurde beispielsweise auch die News-Show „Stand der Dinge“ veröffentlicht (im Auftrag von Podimo).
Im Mittelpunkt der Digitalstrategien vieler Medienhäuser steht die Gewinnung neuer Abos. Um dieses Ziel zu unterstützen, sind die dpa-Themenwelten an den Start gegangen. Basierend auf Erkenntnissen aus dem Projekt DRIVE (Digital Revenue Initiative), bei dem rund 20 Verlagshäuser untereinander Nutzungsdaten austauschen, stellt die dpa ausgesuchte Inhalte bereit, die sowohl zur Steigerung von Digital-Abos beitragen als auch die Bereitschaft fördern, dem Abo treu zu bleiben. Inhalte aus den Bereichen Gesundheit, Food, Fitness, Familie, Immobilien und Mobilität erzielen hier die besten Effekte.
Bei der Kuratierungstätigkeit für das Angebot Facebook News von Meta hat die dpa wertvolle Erfahrungen für digitale Geschäftsmodelle sammeln können. Die Agentur hat gezeigt, dass sie in der Lage ist, zeitlich begrenzte Projekte schnell auf- und umzusetzen. Diese sogenannten digitalen Pop-up-Stores sind charakteristisch für die schnelllebige Internetwirtschaft und erweitern erfolgreich das Leistungs-Portfolio der dpa.
Eine hervorragende Entwicklung zeigt der Faktencheck-Bereich der dpa. Mit Hilfe verschiedener Projekte und Initiativen hat die Agentur ihren Kampf gegen Desinformation noch einmal intensiviert. „Ist das echt?“, können jetzt beispielsweise WhatsApp-Nutzer fragen. Faktencheckerinnen und Faktenchecker von dpa geben Antworten – im Auftrag von Meta. Die Einsendungen der User konzentrieren sich auf die Themen Krieg, Zerstörung und Propaganda. Oft kommen die irreführenden Informationen aus dem Freundes- und Familienkreis. Darüber hinaus engagiert sich die dpa für das länderübergreifende EU-Projekt GADMO (German-Austrian Digital Media Observatory), das Faktencheckorganisationen aus Deutschland und Österreich mit der Wissenschaft verbindet und Faktenchecks öffentlich zugänglich macht. Daneben hat die dpa das Trainingsprogramm Faktencheck22 umgesetzt – mit Unterstützung der Google News Initiative. Gemeinsam mit der APA Austria Presse Agentur und der Schweizer Keystone-SDA bildet die dpa Redakteurinnen und Redakteure aus Medienhäusern der drei Länder zu verschiedenen Faktencheck-Themen aus. Nicht zuletzt treibt die dpa die europäische Vernetzung in diesem Bereich voran. Faktencheck-Organisationen aus mehr als 30 Ländern haben sich auf einen Kodex geeinigt, der Standards für Methodik, Ethik und Transparenz definiert. Die dpa hat die Erarbeitung dieses Kodexes aktiv unterstützt.
Die dpa hat sich gemeinsam mit Partnern aus Medienbranche und Zivilgesellschaft weiter für die Förderung der Nachrichtenkompetenz junger Menschen engagiert. Das Projekt #UseTheNews, das sich in den drei Jahren seit seinem Start inzwischen etabliert hat, arbeitet mittlerweile als gemeinnützige GmbH. Ziel der neuen dpa-Tochtergesellschaft ist es, gemeinsam mit Journalistinnen und Journalisten aus den teilnehmenden Medienhäusern Angebote für junge Menschen zu entwickeln, die die Bedürfnisse dieser Zielgruppe erfüllen. Studien, Workshops und Communities runden das Tätigkeitsfeld von #UseTheNews ab.