Trotz aller positiven Signale bezüglich des Digitalmarktes blicken die deutschen Nachrichten- und Informationsanbieter mit Sorge auf aktuelle Umfragen. „Deutsche sind nachrichtenmüde“, titelte das Hamburger Leibniz-Institut für Medienforschung, das für den deutschen Part des internationalen Reuters Institute Digital News Report 2022 verantwortlich zeichnet. Die Studie besagt, dass das Interesse an Nachrichten insgesamt gesunken ist. Nur noch 57 % der erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer interessieren sich für Informationen über das aktuelle Geschehen. Das sind zehn Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig versucht jeder Zehnte im Alter ab 18 Jahren oftmals bewusst, Nachrichten aus dem Weg zu gehen. Das Leibniz-Institut hat allerdings auch positive Trends vorgestellt. So ist die Zahlungsbereitschaft für digitale Nachrichtendienste 2022 deutlich gestiegen. 14 % der Befragten gaben an, dafür Geld ausgegeben zu haben, also fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Bei 18- bis 24-Jährigen stieg dieser Wert sogar auf 23 % (2021: 9 %).
Positive Signale sendet nach wie vor der Podcast-Markt. Gemäß Mediaanalyse MA 2022 Audio II haben 39,5 % der deutschsprachigen Bevölkerung schon einmal einen Podcast genutzt. In der vorausgegangenen Erhebung waren es noch 36,9 % gewesen. Eine Studie des Digitalverbands Bitkom kommt ebenfalls zu optimistischen Zahlen. So würden heute bereits 43 % der Menschen in Deutschland Podcasts hören, 19 % sogar täglich. Noch stärker ist das Medium bei jüngeren Hörerinnen und Hörern verankert: Mehr als jeder Zweite zwischen 16 und 29 Jahren konsumiert Podcasts.
Nicht nur im ökonomischen Sinne steht die Medienbranche vor zahlreichen Herausforderungen, die entscheidend sind für die Zukunft öffentlich-rechtlicher und kommerziell organisierter Informationsanbieter. Mehrere Studien zeigen, dass der Journalismus auch von anderer Seite unter Druck steht. Beleidigungen, Einschüchterungen und tätliche Angriffe waren bei den Protestveranstaltungen gegen die Corona-Maßnahmen und Aufmärschen sogenannter Querdenker die traurige Regel. Das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) in Leipzig konstatiert für das Jahr 2021 einen neuen Negativrekord. Mit 83 dokumentierten Übergriffen wurden 14 Vorfälle mehr gezählt als im Vorjahr. Über die zahllosen digitalen Drohungen und Einschüchterungsversuche, denen Journalistinnen und Journalisten per E-Mail oder auf den Social-Media-Plattformen ausgesetzt sind, liegen keine belastbaren Zahlen vor.
In der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit, jährlich publiziert von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG), hat sich Deutschland von Rang 13 auf Rang 16 verschlechtert (Stand Ende 2021). Verantwortlich dafür sind laut ROG eine abnehmende Medienvielfalt sowie die zahlreichen Attacken auf Medienschaffende bei Demonstrationen.
Auf internationaler Bühne ist insbesondere die Situation in Russland besorgniserregend. Russland hat die Pressefreiheit mehr oder weniger komplett abgeschafft und rangiert laut ROG mittlerweile auf Rang 155 (von insgesamt 180). Hunderte unabhängige internationale Medienschaffende haben das Land verlassen, Haftstrafen von bis zu 15 Jahren wurden angedroht für die Verbreitung angeblicher Falschinformationen. Die Zeitung Nowaja Gaseta unter Chefredakteur und Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow hat den Redaktionsbetrieb komplett eingestellt. In der Ukraine kamen im Kriegsjahr 2022 sieben Medienschaffende ums Leben. Reporter ohne Grenzen stellt außerdem fest, dass weltweit so viele Journalistinnen und Journalisten in Haft sitzen wie nie zuvor. Die UNESCO berichtet von weltweit 86 gezielt getöteten Journalistinnen und Journalisten. Von 2019 bis 2021 waren es nach Angaben der UN-Kulturorganisation im Mittel 58 pro Jahr.