LAGEBERICHT
I. GRUNDLAGEN DES UNTERNEHMENS
Gegenstand des Unternehmens ist die Sammlung, Verarbeitung und Verbreitung von Nachrichten, Bildmaterial, Audios, Grafiken und Videos jeder Art. Zu diesem Zweck garantiert ein enges Netz von Redaktionen und Korrespondentenbüros in Deutschland und der Welt eine eigene Nachrichtenbeschaffung, und zwar unparteiisch und unabhängig von Weltanschauungsfragen, Wirtschafts- und Finanzgruppen oder Regierungen. So schreibt es der Gesellschaftsvertrag der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH vor.
Die dpa beliefert mit diesem Material alle Arten von Medien: Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunksender und Onlineangebote. Auch Institutionen, Organisationen und Unternehmen gehören zu den Kunden von Deutschlands größter Nachrichtenagentur und stellen neben den Medien wichtige Ertragssäulen dar.
Mit seinen Diensten ist das Unternehmen im Wesentlichen im Inland tätig. Aus dem Inlandskundenkreis stammen auch die rund 170 Gesellschafter der dpa. Dazu werden in mehr als hundert Ländern dpa-Dienste angeboten und vertrieben, sowohl in deutscher Sprache als auch auf Arabisch, Englisch und Spanisch sowie auf Französisch, Serbisch und Russisch. Dadurch trägt die dpa dazu bei, deutsche Themen und die deutsche Perspektive im Ausland zu verbreiten sowie die wichtigen Werte der Pressefreiheit und Unabhängigkeit zu fördern.
1. Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen
Die Folgen des Krieges in der Ukraine sowie die Energiepreiserhöhungen und die steigenden Lebenshaltungskosten haben die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland 2022 geprägt. Die Inflationsrate betrug im Jahresdurchschnitt 7,9 %. Trotzdem konnte sich die Wirtschaft insgesamt behaupten. So stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) um 1,9 % gegenüber dem Vorjahr. Insbesondere der Dienstleistungsbereich profitierte vom Wegfall zahlreicher Corona-Beschränkungen. Dämpfende gesamtwirtschaftliche Effekte zeigt der Außenhandel. Während 3,2 % mehr Waren und Dienstleistungen exportiert wurden, stiegen die Importe um 6,7 %. Die Zahl der Erwerbstätigen wuchs 2022 um 1,3 %. Eine für die gesamte Medienbranche positive Tendenz zeigt dagegen mit einem Zuwachs von 3,6 % in der Bruttowertschöpfung der Bereich Information und Kommunikation. Trotzdem hat die klassische Tageszeitungsbranche weiter mit dem digitalen Wandel zu kämpfen.
So liest zwar laut Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) noch immer die Hälfte der Menschen in Deutschland täglich eine Zeitung, aber die Reichweite ist insgesamt auch 2022 rückläufig. Zeitungen erreichten insgesamt 35,4 Millionen Menschen über 14 Jahren, was einer Leserschaft von 50,1 % der deutschsprachigen Bevölkerung entspricht (2021: 35,6 Millionen, 50,4 %). Das Medium mit der größten Reichweite und einem leichten Zuwachs bleibt die regionale Abozeitung mit 29,1 Millionen Leserinnen und Lesern (gegenüber 29,0 Millionen im Vorjahr). Die überregionalen Abo-Zeitungen zeigen ein etwas deutlicheres Wachstum. 2022 haben täglich 3,9 Millionen Menschen diese Mediengattung konsumiert (2021: 3,6 Millionen). Bei den Kaufzeitungen gingen die Zahlen 2022 dagegen weiter zurück. Die Blätter wurden täglich von 8,2 Millionen Menschen gelesen (2021: 8,7 Millionen).
Während die Printauflagen 2022 spürbar gesunken sind, fanden ePaper- und Paid-Content-Angebote im vergangenen Jahr erneut wachsenden Zuspruch, bilanziert die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.). Ein wesentlicher Grund für die Rückgänge der Kiosk-Verkäufe kann in der starken Inflation gesehen werden. Außerdem sind mit dem Kurier am Sonntag und dem Neuen Deutschland zwei Blätter komplett aus der Zählung gefallen. Insgesamt stiegen die Verkäufe von elektronischen Tageszeitungen im Vergleich zum Vorjahr im vierten Quartal 2022 um rund 5 % auf 2,15 Millionen abgesetzte Exemplare (2021: 2,06 Millionen Exemplare). Ein deutlich größeres Plus ist beim Verkauf der ePaper-Ausgaben von Wochenzeitungen zu sehen. Hier stiegen die Absatzzahlen um fast 50 %. Statt 0,29 Millionen Exemplaren gingen 0,43 Millionen Exemplare im Schlussquartal 2022 an die Leserinnen und Leser. Ein sattes Plus von 35 % verzeichnen auch die ePaper der Publikumspresse. In Bezug auf Digital-Abos sendeten viele Verlagsangebote im Jahresverlauf positive Signale an den Markt. So berichten beispielsweise die WELT und auch die Madsack Mediengruppe, dass sie 2022 die Marke von 200.000 Abos überschritten haben.
Auch wenn der Digitalmarkt Mut für die Zukunft macht, sehen sich die gedruckten Tageszeitungen weiterhin mit einem starken Auflagenrückgang konfrontiert. Im vierten Quartal 2022 konnten 9,41 % weniger Blätter verkauft werden als im Vorjahresquartal. Die Publikumspresse hat ebenfalls mit einem deutlichen Auflagenrückgang zu kämpfen. Allein die Auflagen der Wochenzeitungen zeigen ein leichtes Plus. Sie konnten ihre verkauften Auflagen im Vergleich zum Vorjahr um 2,46 % steigern.
Die Branche ist sich einig: Die Zukunft des Journalismus liegt im Digitalen. Zahlen aus der Onlinestudie 2022 von ARD und ZDF untermauern dies. Acht von zehn Menschen in Deutschland nutzen das Web jeden Tag, sei es für Videos, Mediatheken, Nachrichten, Musikstreaming, Podcasts, Social Media oder andere Formate. Dies schlägt sich auch im Medienkonsum nieder. So nutzen mittlerweile 72 % der in Deutschland lebenden Personen das Internet für diesen Zweck. 51 % schauen täglich Videoinhalte im Netz, 42 % hören Audio-Content. Auch die öffentlich-rechtlichen Mediatheken nehmen mittlerweile einen festen Platz beim Medienkonsum in Deutschland ein. ARD und ZDF berichten von Höchstwerten. Mit jeweils 52 % erreichen sie mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Jeweils 22 % nutzen die Sendungen in den Mediatheken regelmäßig.
Die Verlage sehen ihren zukünftigen Geschäftserfolg in digitalen Angeboten. Die höchste Priorität dabei hat laut gemeinsamer Studie „Trends in der Zeitungsbranche 2023“ von BDZV und der Unternehmensberatung Schickler die Umwandlung von Print- in Digitalabos. Das ePaper, das den Charakter einer abgeschlossenen Zeitung transportiert, hat bei den Kundinnen und Kunden einen insgesamt höheren Stellenwert als die Bezahlschranken im Netz. Paid-Content-Modelle werden dagegen vorzugsweise bei der Gewinnung von Neukunden eingesetzt.