Geschäftsbericht
2021
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III. PROGNOSE-, CHANCEN- UND RISIKOBERICHT  

1. Prognosebericht 

Die dpa hat sich 2021 trotz der anhaltenden Corona-Pandemie weitgehend entlang der Erwartungen entwickelt und konnte in einigen Geschäftsfeldern – insbesondere den digital getriebenen – sogar spürbar zulegen. Mit einem Jahresüberschuss von 2,0 Mio. Euro wurde die Prognose aus dem Vorjahr leicht übertroffen, und das Ergebnis liegt damit am oberen Rand des Zielkorridors.

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass das Ergebnis durch eine um EUR 3,5 Mio. über dem Vorjahr liegende Zuführung zur Unterstützungskasse beeinflusst wurde. Ohne diesen Sondereffekt wäre das Ergebnis entsprechend höher ausgefallen. Ursächlich für das bessere Ergebnis waren neben den deutlich gestiegenen Umsatzerlösen bei per Saldo leicht unterproportionalen Kostensteigerungen stark gestiegene Erträge aus Ergebnisabführungsverträgen von der news aktuell und der dpa-infocom.

Für das Geschäftsjahr 2022 erwarten wir beim Umsatz angesichts anhaltender Auflagenverluste und damit verbundener Erlösrückgänge im Kernmarkt sowie dem überdurchschnittlichen Wachstum im Vorjahr nur einen leichten Anstieg, der im Wesentlichen durch die Entwicklung der neueren Aktivitäten wie Custom Content, dpa-Select oder dpa-Audio getrieben wird. Hinzu kommt ein einmaliger Umsatzzuwachs aus der Verschmelzung der Fotoagentur Zentralbild GmbH auf die dpa-Muttergesellschaft.

Aufgrund leicht steigender Aufwendungen durch umsatzgetriebene Kostenpositionen und erhöhte technische Kosten zur Beschleunigung wesentlicher Innovationsprojekte gepaart mit leicht sinkenden Ergebnisbeiträgen der Tochtergesellschaften rechnen wir damit, ein Ergebnis von etwa 1,3 bis 1,5 Mio. Euro unter Berücksichtigung einer Zuführung zur Unterstützungskasse von 3,7 Mio. Euro zu erzielen. Inwieweit die Corona-Krise auch im Geschäftsjahr 2022 ihre Spuren hinterlässt, bleibt zunächst abzuwarten und erfordert gegebenenfalls ein erneutes Gegensteuern wie bereits in den beiden Vorjahren.    

Perspektivisch gehen wir für das Jahr 2023 wieder von leicht steigenden Gesamtumsätzen aus und rechnen unter dem Strich mit einem Jahresüberschuss in ähnlicher Höhe wie 2022.

Inwieweit wir daran festhalten können, wird sich aus der Dauer der Krisensituation und ihren Auswirkungen auf das Geschäftsjahr 2022 ergeben.


2. Chancen- und Risikobericht  

2021 hat die Pandemie die Arbeit der Agentur und ihrer Beschäftigten geprägt. Trotzdem ist es der dpa gelungen, wirtschaftlich erfolgreich zu agieren und stabile Zahlen vorzulegen. Das weiterhin konsequente Kostenmanagement zusammen mit konstanten Umsätzen im Kerngeschäft sowie erneute Fortschritte in den Wachstumsmärkten halten die dpa in sicherem Fahrwasser. Da mobiles Arbeiten in Folge von Corona zum Alltag geworden ist, haben sich Geschäftsführung und Chefredaktion intensiv mit den Räumlichkeiten in Hamburg und in Berlin beschäftigt.

Das vergangene Jahr wurde genutzt, um umfassende Restaurierungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Gebäude am Hamburger Mittelweg umzusetzen. Neue Arbeitswelten haben Einzug gehalten im Erdgeschoss der Gründerzeitvilla sowie im ehemaligen Großraum. Weitere Bereiche am Standort werden folgen. Ausgehend von der Annahme, dass in Zukunft weiterhin größere Teile der Beschäftigten von ihren mobilen Offices aus arbeiten werden, hat die dpa ein modernes und zukunftssicheres Konzept umgesetzt, das die Erfordernisse eines digital getriebenen Medienhauses erfüllt. Shared Desks, Stillarbeits-Boxen sowie Relax- und Kommunikationszonen sind auf die Arbeitsprozesse abgestimmt und fördern ein kollaboratives und kreatives Umfeld.

Auch die Berliner Zentralredaktion orientiert sich neu und bereitet einen Umzug im ersten Halbjahr 2023 vor. So konnten im selben Gebäudekomplex an der Markgrafenstraße neue Räumlichkeiten angemietet werden, bei deren Umgestaltung die Erfordernisse einer multimedial produzierenden Nachrichtenagentur berücksichtigt werden können. Ton- und Videostudios entstehen im neuen Newsroom sowie auch hier Shared Desks und tätigkeitsbezogene Arbeitsumfelder. 

Die dpa weiß, dass ein Unternehmen für die Gewinnung und das Halten hochqualifizierter Mitarbei­terinnen und Mitarbeiter ein zeitgemäßes und flexibles Arbeitsumfeld bieten muss. Hierin liegen wesentliche Chancen für eine erfolgreiche Zukunft der Agentur.

Ein weiterer wichtiger Faktor für eine langfristig stabile wirtschaftliche Entwicklung ist die fortgesetzte Umsetzung des 2020 in Kraft getretenen neuen Preismodells für die Basisdienste in den Kernmärkten der dpa. Rund zwei Drittel der Verlagskunden arbeiten mittlerweile auf Grundlage des neuen Modells. Dessen Grundlage ist die Berechnung einer integrierten Reichweite aus Print und Online und die damit verbundene Vereinfachung und Klarheit für die Kunden.

Weitere Impulse für das internationale Geschäft sowie für eine stärkere Vernetzung der Agentur in Brüssel verspricht die Initiative European Newsroom (ENR). Unter Federführung der dpa entstehen ein neuer Arbeitsraum und ein Treffpunkt für die Korrespondentinnen und Korrespondenten der europäi­schen Nachrichtenagenturen. Die Europäische Union fördert dieses Projekt mit rund 1,8 Mio. Euro, verteilt auf alle 16 Nachrichtenagenturen, die an dem Vorhaben teilnehmen. Ab Mitte 2022 soll der Newsroom bereitstehen. 

Ein gänzlich neues Geschäftsfeld mit Wachstumschancen stellt die Kuratierung von Inhalten für das Angebot Facebook News dar. Die Plattform hat sich das Ziel gesetzt, journalistische Qualitätsinhalte aus einer Vielzahl von Medienhäusern für die Nutzerinnen und Nutzer sichtbarer und prominenter darzustellen. Für die Auswahl und die Bereitstellung der Beiträge ist seit März 2022 die dpa verantwortlich. Die Agentur hat dafür ein separat agierendes Team zusammengestellt, das getrennt von der Redaktion diese Aufgabe umsetzt. Die dpa stellt keine eigenen Inhalte bereit.

Mit der Einführung der Managementmethode Objectives & Key Results setzt die Geschäftsführung neue Impulse. OKR ist ein Vorgehen für eine fokussierte, transparente und übergreifende Planung in Quartalsschritten, an der Führung und Beschäftigte gemeinsam beteiligt sind. Anders als bei Top-Down-Jahresplanungen mit Zielen ohne fortlaufende Anpassungen werden alle drei Monate wichtige Ziele (Objectives) definiert und mit messbaren Ergebnissen (Key Results) verknüpft, die es im jeweiligen Quartal zu erreichen gilt. Die Methode richtet sich an den Gesamtzielen des Unternehmens aus und ist für alle transparent. Die Unternehmensleitung ist zuversichtlich, dass sich mit Hilfe von OKR Projekte und Ziele in einer sich ständig verändernden digitalen Geschäftswelt besser und schneller umsetzen lassen und die Agilität der dpa steigt.

Die Zahl der Cyber-Angriffe auf deutsche Unternehmen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Auch Medienhäuser sind stärker in den Fokus von Hackern geraten. Die dpa ist sich dieser Bedrohungslage und den daraus resultierenden Risiken bewusst und hat im Rahmen des Risiko­managements verschiedene Schutzmaßnahmen eingeleitet.

Es wurde ein mit zwei Vollzeitkräften ausgestattetes Team für Informationssicherheit ins Leben gerufen, geleitet von einem Informationssicherheitsbeauftragten. Zur Eindämmung der wachsenden Bedrohungslage durch sogenannte Phishing-E-Mails wurde in der zweiten Jahreshälfte eine toolgestützte Awareness-Kampagne in Form von Schulungen und Test-Emails gestartet. Damit die dpa auch vor DDoS-Angriffen geschützt ist, wird seit Jahresmitte der gesamte Datenverkehr der Agentur durch einen Cyber-Security-Anbieter geleitet, und dabei mögliche Attacken herausgefiltert.

Um dem Ausfall- und Liquiditätsrisiko der Finanzanlagen und den damit verbundenen Forderungen zu begegnen, betreibt die Deutsche Presse-Agentur ein aktives Finanzrisikomanagement. Liquiditätsüberschüsse werden kurz- und mittelfristig gemäß den vorgegebenen Richtlinien werthaltig angelegt. Durch die Besetzung von Organfunktionen bei verbundenen Unternehmen und Beteiligungen durch eigene Mitarbeiter und die Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips können wir Risiken minimieren und jederzeit kurzfristig auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (einschließlich die gegen Gesellschafter) werden zeitnah verfolgt und durch ein konsequentes Forderungsmanagement reduziert.

Aktuell sind keine bestandsgefährdenden Risiken erkennbar, deren Eintritt wahrscheinlich ist.

Trotz stabiler Zahlen für das Jahr 2021 und einem vorsichtig optimistischen Ausblick auf 2022 ist die dpa in Zusammenhang mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie weiterhin zu höchster Wachsamkeit verpflichtet. Es gilt die damit verbundenen Risiken frühzeitig zu erkennen und sofern erforderlich umgehend geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen.