Geschäftsbericht
2021
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Ein weiterer wesentlicher Baustein der dpa-Digitalstrategie ist die neue multimediale Produktionsplattform Rubix, die bereits in Teilen ausgerollt worden ist. Mit den Kindernachrichten ist der erste komplette dpa-Dienst auf den sogenannten Rubix Editor gewechselt und produziert erfolgreich auf der neuen digitalen Arbeitsumgebung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der multimedialen Zusammenarbeit: Gemeinsam kann das Team kombinierte Beiträge aus Bildern und Texten produzieren sowie prüfen und publizieren. Die enge Zusammenarbeit mit den Kindernachrichten hilft den Entwicklungsteams, neue Features zu testen und Fehler schnell zu beheben. Mitte 2022 soll das nächste Team auf den Rubix Editor wechseln: der Sport.

Viele ermutigende Resultate zeigt der sogenannte Profile-Foto-Prozess. Im Mittelpunkt stehen die sich verändernden Anforderungen der Kunden an das Fotoangebot der dpa. So konnten in wesentlichen Bereichen wichtige Verbesserungen erreicht werden. Unter anderem werden bereits frühmorgens mehr aktuelle Bilder übermittelt. Außerdem konnte die Auslieferungsgeschwindigkeit weiter verbessert werden. Gleichzeitig hat die Fotoredaktion den Anteil erneut gesendeter Archivbilder reduziert und neue Darstellungsformen und Bildsprachen bei den Symbolfotos etablieren können.

Die dpa ist aufgerufen, ihre Angebote auf die sich verändernden Gewohnheiten der Leserinnen und Leser ihrer Kunden einzustellen. Im Mittelpunkt steht hier eine gemeinsame Initiative der deutsch­sprachigen Nachrichtenagenturen für eine diskriminierungssensible Berichterstattung. Die Agenturen sehen sich in erster Linie als Dienstleister ihrer Kunden und Eigentümer und werden Änderungen wie Gendersterne oder Binnen-I nur in Betracht ziehen, wenn ihre Kunden dies ausdrücklich wünschen. Vielmehr sollen aber stärker als bisher die Möglichkeiten genutzt werden, die die deutsche Sprache bereits bietet. Das können beispielsweise Doppel- und Paarformen sein, geschlechtsneutrale Pluralformen oder neutrale Funktionsbezeichnungen. Die deutschsprachigen Agenturen werden die Entwicklung der Sprache in den kommenden Jahren weiter gemeinsam beobachten und die Erfordernisse regelmäßig diskutieren.

Wie intensiv die dpa im Austausch mit ihren Kunden steht, zeigt sich auch in zwei Auszeichnungen, die die Agentur erhalten hat. So wurde der dpa-Infokanal mit dem Preis der europäischen Nachrichten­agenturen ausgezeichnet (Maxim Minchev Award for News Agency Quality 2021). Das auf dem Messenger-Dienst Slack basierende Angebot dient als Frühwarnsystem für Redaktionen und zielt auf den besonderen Informationsbedarf in plötzlichen Toplagen und bei Großereignissen ab. Das Projekt DRIVE konnte die INMA Global Media Awards als „Best in Show“ in Empfang nehmen und wurde als beste Initiative weltweit geehrt. Hinter DRIVE stehen mittlerweile rund 20 Verlagshäuser zusammen mit der dpa und der Unternehmensberatung Schickler. Im Rahmen von DRIVE sammeln und teilen die Partner die Nutzungsdaten ihrer Internetangebote, um Erkenntnisse über das Verhalten der Leserinnen und Leser zu gewinnen. Mit ihrer Hilfe soll die Zahl der Digital-Abos gesteigert werden. Hinter der Auszeichnung steht die International News Media Association (INMA).

Von hoher gesellschaftlicher Relevanz ist das Projekt #UseTheNews, das die dpa in Zusammenarbeit mit dem Amt für Medien in Hamburg initiiert hat. #UseTheNews beschäftigt sich mit der Nachrichtenkompetenz insbesondere junger Menschen. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang ein erster Fachtag zu diesem Thema in Hamburg, ein umfangreiches Playbook mit dem aktuellen Forschungsstand und zahlreichen Best Practices, eine fortgesetzte Arbeit des #UseTheNews-Labs sowie die Bildung der Community NewZee als Austausch-Forum mit jugendlichen Medienkonsumenten.

Im Spätsommer des vergangenen Jahres musste die Weltöffentlichkeit mit Bestürzung beobachten, wie die afghanischen Taliban in kürzester Zeit erneut die Macht an sich gerissen haben. Zahllose Menschen haben das Land aus Angst vor Racheakten verlassen oder haben es versucht. Darunter viele afghanische Ortskräfte der deutschen Medien. Auch die dpa sah sich vor der Aufgabe, die eigenen Leute zu schützen und ihre Flucht zu unterstützen. Glücklicherweise ist es allen dpa-Ortskräften und ihren Partnern und Kindern gelungen, Afghanistan zu verlassen. Die dpa ist überaus erleichtert, dass ihre Mitarbeiter in Sicherheit sind. Chefredaktion und Geschäftsführung sind in Gedanken bei allen Menschen in Afghanistan, die über Jahre hinweg die freie Berichterstattung der internationalen Medien unterstützt und ermöglicht haben und die weiterhin dort ausharren müssen. 

Auch die Situation in Myanmar ist in diesem Zusammenhang zu nennen. So wurde der polnische Journalist Robert Bociaga, der für die dpa aus dem südostasiatischen Land berichtete, über mehrere Tage hinweg in einer Polizeistation festgehalten. Erst nach koordinierter Vermittlung des Auswärtigen Amtes, der deutschen Botschaft und der Nichtregierungsorganisation Bridges to Justice konnte Robert Bociaga das Land verlassen. 

Auch in Deutschland ist die Situation insbesondere rund um die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen oder die sogenannten Spaziergänge für Medienschaffende zunehmend gefährlich geworden. So berichten die Beschäftigten der dpa regelmäßig über Schmähungen, Einschüchterungen oder auch körperliche Attacken. Die dpa stuft diese Entwicklung als sehr besorgniserregend ein und bietet ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jede Unterstützung, darunter die Begleitung durch Security-Firmen, Sicherheitstrainings sowie juristischen und psychologischen Beistand. 

2024 jährt sich die Gründung der dpa zum 75. Mal. Gleichzeitig blickt die Branche auf 175 Jahre Nachrichtenjournalismus in Deutschland zurück. Damals nahm Wolffs Telegraphisches Bureau in Berlin seine Arbeit auf. Aus diesem Anlass arbeitet der renommierte Medien-Historiker Hans-Ulrich Wagner (Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans Bredow Institut, Hamburg) derzeit an einer unabhängigen Darstellung der Geschichte der dpa, eingebettet in die Zeitgeschichte der Bundesrepublik. Das Werk erscheint voraussichtlich im Winter 2023/24.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich die dpa ein neues Erscheinungsbild gegeben. Das Corporate Design wurde an die Erfordernisse eines digitalen Medienhauses angepasst und auf allen Internetseiten, Plattformen und Produkten ausgespielt.