Geschäftsbericht
2021
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2. Geschäftsverlauf


Das Geschäftsjahr 2021 stand erneut im Zeichen der Pandemie. Corona hat in vielen Bereichen die Rahmenbedingungen vorgegeben. Wesentliche Teile der Beschäftigten haben ihre Aufgaben das komplette Jahr über vom heimischen Schreibtisch aus wahrnehmen müssen. Trotzdem hat Deutschlands größte Nachrichtenagentur sich in entscheidenden Bereichen weiterentwickelt, neue Maßstäbe gesetzt und viele ihrer Ziele erreicht. Geschäftsführung und Chefredaktion haben die digitale Transformation der dpa auf allen unternehmerischen und publizistischen Feldern mit Energie vorangetrieben.

Die dpa hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr intensiv mit der Weiterverfolgung der Marktplatz-Strategie beschäftigt. Mittlerweile konnte die Nutzung der dpa ID, die Zugang und Nutzung des Marktplatzes regelt, auf knapp 25.000 User ausgeweitet werden. Medienschaffende und Kommunikationsfachleute greifen regelmäßig auf die Dienste und Tools der dpa und ihrer Partner zu. Auf diese Weise konnte die Bereitstellung von dpa-Inhalten für die vielen Journalistinnen und Journalisten im Homeoffice auf eine noch breitere und verlässlichere Basis gestellt werden. Die neu veröffentlichte Website dpa-id.de sowie gesonderte Talk-Formate haben die Bekanntheit des Marktplatzes weiter gesteigert und zur Gewinnung zusätzlicher Nutzer und Partner beigetragen.

Neben diesem strategisch wichtigen Feld hat die dpa weiter an der Straffung ihres Markenportfolios gearbeitet. Die Agentur hat mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, die dpa-digital services GmbH rückwirkend zum 1. Januar 2021 mit der Muttergesellschaft zu verschmelzen. Zusätzlich wurde festgelegt, die Fotoagentur Zentralbild GmbH ebenfalls mit der Muttergesellschaft zu verschmelzen, wozu der Aufsichtsrat ebenfalls seine Zustimmung gab. 

Daneben hat sich die dpa intensiv mit den beiden Geschäftsfeldern Audio und Video beschäftigt. So ging der vielbeachtete dpa-Audio Hub an den Start, der rechtssichere aktuelle O-Töne aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport, Experteninterviews sowie Atmos aus der ganzen Welt bereitstellt. Viele Audio- und Podcast-Produzenten nutzen mittlerweile dieses Angebot. Weiteres Augenmerk galt den Bewegtbild­aktivitäten und der Integration der Marke TNN (TeleNewsNetwork) in die Video-Produktionsprozesse der dpa. Das Geschäftsfeld Auftragsvideo wechselte aus der Rufa Rundfunk-Agenturdienste GmbH in den Bereich Custom Content unter dem Dach der Muttergesellschaft. Stärkere Synergieeffekte im Zusammenspiel mit anderen Auftragsproduktionen und bessere Vermarktungsmöglichkeiten sind das Ziel dieser Umstrukturierung. Die Übernahme der Rufa-Geschäftsführung durch Silke Brüggemeier, die diese Funktion zusätzlich zu ihren Aufgaben als stellvertretende Chefredakteurin und Chefin Visuelles wahrnimmt, unterstreicht die Rolle der Bereiche Video und Audio als strategische Geschäftsfelder der dpa mit vielversprechenden Marktchancen.

In Zusammenhang mit zahlreichen Krisen, wie Pandemie, Klimawandel, Afghanistan, Hochwasser oder jüngst dem Krieg in der Ukraine, ist das Ausmaß an Desinformation und Falschmeldungen im Internet nach wie vor immens. Vor diesem Hintergrund hat die Agentur unter dem Dach der dpa infocom GmbH ihr Engagement auf diesem gesellschaftlich relevanten Feld weiter verstärkt. Zu nennen sind hier die neu hinzugekommenen Faktencheck-Aktivitäten für WhatsApp und TikTok. Das Factchecking für Facebook läuft bereits seit 2019 erfolgreich. Starke Resonanz aus der gesamten Branche erfuhr die Initiative Faktencheck21. Die dpa hat dabei insbesondere für Regionalverlage eine Vielzahl an Workshops und Schulungen angeboten sowie die Expertise-Plattform Factify mit Tipps, Tools und Praxis-Beispielen gestartet. Das Projekt wird von der Google News Initiative unterstützt. Zusammen mit Recherche- und Datenprojekten haben sich die Plattformen mittlerweile zu einem wachsenden Geschäftsfeld für die dpa-Gruppe entwickelt.

Ebenfalls erfolgreich gestalten sich die Aktivitäten im Bereich der Auftragsproduktionen. Das Custom-Content-Team der dpa konnte erneut für ein spürbares Wachstum sorgen. Unter anderem ist hier die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zu nennen, das in Zusammenhang mit Corona und Flutkatastrophe einen gestiegenen Bedarf an kommunikativer Unterstützung und Inhalten für verschiedene Warnsysteme angemeldet hat.

Der moderne, multimediale und digitale Echtzeitjournalismus von heute erfordert von Redaktionen tiefgreifende Veränderungen. Produktionsprozesse, Arbeitsorganisation und Mindset müssen angepasst oder komplett neu gedacht werden. Das gilt selbstverständlich auch für die dpa. Die Chef­redaktion hat zentrale Leitlinien erarbeitet und in der Redaktion verankert. Im Mittelpunkt stehen dabei Offenheit für Veränderungen, dateninformiertes Arbeiten, Vernetzung mit Kunden, Nachhaltigkeit, Chancen­gerechtigkeit und Diversität. Die Chefredaktion ist überzeugt davon, dass die insgesamt neun Leitlinien ein starkes Grundgerüst für eine langfristig erfolgreiche, qualitätsorientierte und moderne Nachrichtenagentur bilden.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Redaktion ist das dateninformierte Arbeiten. Um den Nutzwert digitaler Dienste und Produkte konstant hochzuhalten, muss die dpa wissen, wie ihre Kunden Meldungen, Bilder und Videos in ihren Angeboten verwenden. Mit der neuen Position des Head of Content Development, zu dessen Aufgabenbereich die inhaltlichen, organisatorischen und strukturellen Aspekte des dateninformierten Arbeitens gehören, setzt die dpa hier einen Schwerpunkt und unterstreicht ihre Ambitionen.