Die auf Deutschland bezogenen Ergebnisse des Reuters Institute Digital News Report 2021 unterstützen den langfristigen Trend in Richtung digitale Informationsaufnahme. 92 % der erwachsenen Onliner in Deutschland lasen, hörten oder schauten 2021 mindestens mehrmals pro Woche Nachrichten. Der Anteil der erwachsenen Onliner, die für Nachrichtenangebote im Internet Geld ausgegeben haben, ist 2021 mit 9 % weitgehend stabil geblieben (2020: 10 %). Von denjenigen, die bisher nicht für Online-Nachrichten bezahlt haben, halten es 11 % für wahrscheinlich, dass sie ihr Verhalten ändern werden.
Die wachsende Nutzung digitaler On-Demand-Angebote zeigt sich auch im Audiobereich. So hat abseits der klassischen Radiosender die Nutzung von Podcasts zugenommen: Knapp ein Drittel (29,3 %) der deutschsprachigen Bevölkerung hat Podcasts schon mal genutzt, bei den 14- bis 49-Jährigen sind es sogar 41,8 % (Quelle: ma 2021 Audio). Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Bewegtbild-Mediatheken. So verzeichnen die Angebote von ARD und ZDF deutlich wachsende Nutzungszahlen. Die ARD berichtet von einem Plus von 62 %, das ZDF nennt eine Steigerung von 28 %.
Trotz vieler Herausforderungen zeichnet die Medienbranche in Deutschland ein vergleichsweise optimistisches Bild. Anders sieht es in vielen Regionen innerhalb und außerhalb Europas aus. Dort können die freien Medien ihrer Aufgabe kaum noch gerecht werden. So setzte die Organisation Reporter ohne Grenzen mit Viktor Orbán erstmals einen Regierungschef aus der Europäischen Union auf die Liste der „Feindinnen und Feinde der Pressefreiheit“. Beunruhigend gestaltete sich auch der Konflikt um die slowenische Nachrichtenagentur STA, die monatelang von der Regierung um Präsident Janez Jansa verbal und finanziell unter Druck gesetzt worden ist. Auch in Russland geraten die wenigen verbliebenen unabhängigen Medien immer stärker unter Druck und werden vielfach zu ausländischen Agenten erklärt, um ihre Arbeit unmöglich zu machen. In Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg ist hier mit einer weiteren Verschlechterung der Situation zu rechnen. Das Sendeverbot für die Deutsche Welle ist ein weiteres Signal in Richtung Eskalation.
An zahlreichen Schauplätzen der Welt zeichnet sich ebenfalls ein düsteres Bild für die freie journalistische Arbeit ab. Insbesondere sind hier Afghanistan nach der Rückeroberung durch die Taliban zu nennen, aber auch die Türkei Recep Erdogans oder die fortdauernde schwierige Situation in Hongkong.
Die Verleihung des Friedensnobelpreises an zwei Medienschaffende im vergangenen Jahr kann folgerichtig nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die beiden Preisträger Maria Ressa von den Philippinen und Dmitri Muratow aus Russland stehen gemeinsam für einen engagierten Kampf gegen die Unterdrückung der freien Berichterstattung.
Die Zahl von mehr als 1.600 getöteten Journalistinnen und Journalisten in den letzten 20 Jahren, die Reporter ohne Grenzen genannt hat, ist überaus besorgniserregend. Allein für das vergangene Jahr verweist die Organisation auf 488 gefangen gehaltene Journalistinnen und Journalisten – so viele wie noch nie. Auf China, Myanmar und Belarus entfallen die meisten der Inhaftierten.
Aber auch in Deutschland sind Medienschaffende fortgesetzt Ziel von Angriffen, oft im Umfeld der Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen oder im digitalen Raum. Das Europäische Zentrum für Presse und Medienfreiheit nennt für das Jahr 2021 den Rekordwert von 95 Attacken. In der Rangliste der Pressefreiheit rutschte Deutschland von Rang 11 auf Rang 13 ab. Um die betroffenen Journalistinnen und Journalisten zu unterstützen, haben verschiedene Medienorganisationen, darunter auch die dpa, einen entsprechenden Schutzkodex formuliert.
Doch trotz fortgesetzter Angriffe und Lügenpresse-Vorwürfen aus bestimmten politischen Milieus hat sich die Medienbranche eine wachsende Glaubwürdigkeit unter den Menschen in Deutschland erarbeitet. So stimmen 56 % der Befragten der Aussage zu: „Wenn es um wirklich wichtige Dinge geht – etwa Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren, politische Skandale und Krisen –, kann man den Medien vertrauen.“ 2019 lag dieser Wert bei 44 %, 2015 sogar nur bei 28 %. Dies ergab die Langzeitstudie „Medienvertrauen“, die vom Institut für Publizistik der Universität Mainz und dem Institut für Sozialwissenschaften der Universität Düsseldorf veröffentlicht wurde.