Geschäftsbericht
2020
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III. PROGNOSE-, CHANCEN- UND RISIKOBERICHT  

1. Prognosebericht 

Die dpa hat sich 2020 trotz der allgegenwärtigen Corona-Pandemie weitgehend entlang der Erwartungen entwickelt und konnte in einigen Geschäftsfeldern – insbesondere den digital getriebenen – sogar etwas zulegen. Mit einem Gewinn von 1,6 Mio. Euro wurde die Prognose aus dem Vorjahr leicht übertroffen, und das Ergebnis liegt damit am oberen Rand des Zielkorridors.

Für das Geschäftsjahr 2021 erwarten wir trotz anhaltender Auflagenverluste und damit verbundener Erlösrückgänge im Kernmarkt erneut ein Umsatzwachstum, im Wesentlichen getrieben durch die Entwicklung der neueren Aktivitäten wie Custom Content, dpa-Select oder dpa-Audio sowie des erstmals ganzjährigen Ausweises des zugekauften Video-Geschäftsfelds von TNN.

Aufgrund leicht steigender Aufwendungen durch umsatzgetriebene Kostenpositionen, erhöhte technische Kosten zur Beschleunigung wesentlicher Innovationsprojekte und anstehende Tarifanpassungen gepaart mit leicht sinkenden Ergebnisbeiträgen der Tochtergesellschaften rechnen wir damit, erneut ein Ergebnis von etwa ­1,0 Mio. Euro zu erzielen. Inwieweit die Corona-Krise auch im Geschäftsjahr 2021 ihre Spuren hinterlässt, bleibt zunächst abzuwarten und erfordert gegebenenfalls ein erneutes Gegensteuern wie bereits im Jahr 2020.    

Perspektivisch sind wir auch für das Jahr 2022 von leicht steigenden Gesamtumsätzen ausgegangen. Inwieweit wir daran festhalten können, wird sich aus der Dauer der Krisensituation und ihren Auswirkungen auf das Ge­schäftsjahr 2021 ergeben. In jedem Fall ist eine Neubewertung im Herbst des Jahres 2021 vorzunehmen.


2. Chancen- und Risikobericht  

Das Jahr 2020 war von den Auswirkungen der Pandemie geprägt. Trotzdem konnten die wirtschaftlichen Effekte von der dpa gut aufgefangen werden. Die Agentur präsentiert stabile Zahlen. Ein konsequentes Kostenmanagement verbunden mit konstanten Umsätzen im Kerngeschäft sowie spürbare Fortschritte in den Wachstumsmärkten halten die dpa in sicherem Fahrwasser.

Erfreulich ist das positive Echo vieler Verlagskunden auf das neue Preismodell der dpa, das seit Beginn 2020 zum Einsatz kommt. Grundlage des Modells ist eine zukunftsweisende Berechnung einer integrierten Reichweite aus Print und Online. Die dpa hat damit frühzeitig wichtige Weichen gestellt, um neue Nutzungsformen ihres Angebots werthaltig anzubieten. Immer mehr Verlage und Verbunde stellen ihre Zusammenarbeit mit der Agentur auf diese neue vertragliche Grundlage. Dies ermöglicht der dpa, Innovation voranzutreiben, langfristig zu planen, wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten und die Medien in Deutschland und der Welt auch in Zukunft mit unabhängigen und geprüften Nachrichten zu versorgen.

Die Menge an Falschinformationen im Internet nimmt weiter zu. Wachsende gesellschaftliche Verunsicherung ist die Folge. Im Mittelpunkt stehen hier die sozialen Netzwerke. Die dpa sieht sich in ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung aufgerufen, einen Beitrag zur Eindämmung dieser Falschinformationen zu leisten. So hat die Agentur ihre Faktencheck- und Verifikations-Teams weiter ausgebaut und deren Aktivitäten intensiviert. Unter dem Dach der dpa-infocom werden von den dpa-Redaktionen mittlerweile Faktenchecks in sechs europäischen Ländern produziert (Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Belgien und Luxemburg), die zunehmend auch zum wirtschaftlichen Erfolg der dpa-Gruppe beitragen.

Das Jahr 2020 war geprägt von einem Audio-Boom, der sich in einem weitreichenden Angebot von Podcasts auf verschiedenen Streaming-Plattformen widerspiegelte. Unter dem Dach der Rufa produziert die dpa mittlerweile verschiedene White-Label- und Auftragspodcasts. Darüber hinaus entwickelt die Agentur einen zentralen Audio Hub, der für Audio-Produzenten rechtssichere O-Töne und anderes Material zur direkten Verwendung bereithält.  

Als Agentur der deutschen Medien engagiert sich die dpa unter dem Stichwort „Member Value“ in verschiedenen Projekten, um ihren Beitrag zur Weiterentwicklung journalistischer Angebote zu leisten und die Gesellschafter der Agentur bei der Verfolgung ihrer wirtschaftlichen und publizistischen Ziele zu unterstützen. So geht es im Projekt DRIVE darum, eine verlagsübergreifende Datenbasis über die Nutzung digitaler Angebote zu schaffen. Die Projektpartner wollen unter Einsatz von künstlicher Intelligenz und selbstlernenden Algorithmen dahingehend Rückschlüsse erhalten, welche Inhalte und welche Ausspielungskriterien für die Gewinnung zahlender Digital-Kunden entscheidend sind. 

Das Projekt #UseTheNews ist ebenfalls branchenübergreifend angelegt. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Senat und dem BDZV untersucht die dpa die Nachrichtennutzung und die Nachrichtenkompetenz junger Menschen – besonders in der Zielgruppe der 14- bis 24-Jährigen. Drei Säulen kennzeichnen das Projekt: eine wissenschaftliche Studie unter der Leitung des Hamburger Leibniz-Instituts, ein News Literacy Lab, in dem Journalistinnen und Journalisten an neuen Nachrichtenangeboten arbeiten, sowie die Entwicklung eines News-Curriculums, um im Zusammenspiel mit Bildungsträgern und Medienpartnern die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz an Schulen zu stärken (Open News Education – ONE). Rund 25 Partner aus Verlagen, TV- und Radiosendern, Wissenschaft und Zivilgesellschaft engagieren sich mittlerweile bei #UseTheNews, um im Hinblick auf zukünftige Geschäftsmodelle Erkenntnisse zu gewinnen und Weichen zu stellen.

Mehr Chancen als Risiken sieht die dpa in den neuen Arbeitsrahmenbedingungen, die sich aus den Auswirkungen und Erfahrungen der Pandemie ergeben. Seit Juni 2020 beschäftigt sich das Unternehmen bereits intensiv im Projekt Neue Arbeitswelten mit den nachhaltigen Folgewirkungen auf die Standorte und die Teams der dpa. Im Frühjahr 2021 wurde eine Konzernbetriebs­vereinbarung geschlossen, die unter anderem das mobile Arbeiten regelt.

Um dem Ausfall- und Liquiditätsrisiko der Finanzanlagen und den damit verbundenen Forderungen zu begegnen, betreibt die Deutsche Presse-Agentur ein aktives Finanzrisikomanagement. Liquiditätsüberschüsse werden kurz- und mittelfristig gemäß den vorgegebenen Richtlinien werthaltig angelegt. Durch die Besetzung von Organfunktionen bei verbundenen Unternehmen und Beteiligungen durch eigene Mitarbeiter und die Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips können wir Risiken minimieren und jederzeit kurzfristig auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (einschließlich die gegen Gesellschafter) werden zeitnah verfolgt und durch ein konsequentes Forderungsmanagement reduziert.

Aktuell sind keine bestandsgefährdenden Risiken erkennbar, deren Eintritt wahrscheinlich ist.

Trotz stabiler Zahlen für das Jahr 2020 und einem vorsichtig optimistischen Ausblick auf 2021 ist die dpa in Zusammenhang mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie weiterhin zu höchster Wachsamkeit verpflichtet. Es gilt, die damit verbundenen Risiken frühzeitig zu erkennen und sofern erforderlich umgehend geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen.