Geschäftsbericht
2020
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2. Geschäftsverlauf


Die Auswirkungen der Pandemie auf die dpa und auf die Medienbranche insgesamt haben das Jahr 2020 geprägt. Beinahe alle unternehmerischen und publizistischen Entscheidungen hat Deutschlands größte Nachrichten­agentur unter dem Eindruck der Corona-Krise treffen müssen. Unterdessen setzte sich die digitale Transformation der gesamten Branche mit Höchstgeschwindigkeit fort. Trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen haben Geschäftsführung und Chefredaktion den Umbau der Agentur energisch vorangetrieben und wesentliche Weichen für eine erfolgreiche Zukunft der dpa gestellt.

Ein besonderes Augenmerk galt der Weiterverfolgung der Marktplatz-Strategie. Der Gedanke, dass eine Nachrichtenagentur nicht nur ein Lieferservice von Inhalten ist, sondern vielmehr ein Marktplatz für Services, Technologien, Kollaboration und Ideen, ist im Jahresverlauf weiter Realität geworden. So konnte das dpa ID Partner­programm gestartet werden, das den dpa-Marktplatz auch für externe Anbieter öffnet. Unter anderem können dort Services von PolitiX (Politikmonitoring), BotTalk (Umwandlung von Text in Audio), 23° Atlas (Datenvisualisierung) und weitere Angebote genutzt werden.

Die dpa ID ist der gemeinsame Schlüssel zum Marktplatz der dpa, der mittlerweile „Magic Marketplace“ genannt wird. Insbesondere während der ersten Phase der Pandemie hat die dpa schnell und unbürokratisch Tausende von dpa IDs an die Nutzerinnen und Nutzer in den Homeoffices vergeben und damit den vollen Zugriff auf alle dpa-Dienste auch außerhalb der Redaktions- und Büroräume möglich gemacht. Insgesamt rund 17.000 Medienschaffende und Kommunikationsfachleute verfügen mittlerweile über eine dpa ID.

Auch auf anderen Feldern wurden wichtige Weichen gestellt. So hat die dpa das Geschäft der Video-Nachrichtenagentur TeleNewsNetwork (TNN) übernommen und damit ihr Videoangebot massiv ausgebaut. TNN produziert in Kooperation mit einem Netz aus Video­journalisten und -produzenten Nachrichtenvideos aus ganz Deutschland. Dabei besonders im Fokus: politische und wirtschaftliche Großlagen, Kriminalität, Unfälle, Gerichtsberichterstattung, Promis und Wetter. Unter dem Dach der dpa-Tochtergesellschaft Rufa bietet TNN täglich etwa 15 Videobeiträge für TV-Anstalten und Webportale an.

Zusätzlich hat die Deutsche Presse-Agentur die dpa-digital services – bis dato ein Joint Venture mit der öster­reichischen APA – zum 1.1.2021 komplett übernommen. Das Unternehmen ist auf die Implementierung von Zeitungsinhalten in Apps und Websites spezialisiert. Die APA hatte bis zur Übernahme durch die dpa 50 Prozent der Anteile gehalten. 

Ebenso wie im unternehmerischen wurden auch im redaktionellen Bereich wichtige Change-Prozesse angestoßen. Dazu gehören insbesondere das Projekt Zentrale Eingabe sowie der Profile-Foto-Prozess. Nach dem Grundsatz, dass die Berichterstattung in der Fläche erarbeitet, aber in der Zentrale bearbeitet wird, setzte die dpa-Chefredaktion einen Prozess in Gang, an dessen Ende die zentrale Eingabe aller Beiträge im Berliner Newsroom erfolgen sollte anstatt wie bisher durch die sieben Regio-Desks in den Landesbüros. Der neue Deutschland-Desk hat im August 2020 seine Arbeit aufgenommen. Die neue Struktur hat sich in den darauffolgenden Monaten bewährt, die Kunden profitieren von den gestrafften Prozessen.

Viel Aufmerksamkeit erforderte ebenfalls der Profile-Foto-Prozess. Die dpa verfolgt damit das Ziel, ihre Fotodienste besser an die sich verändernden Anforderungen der Medienmärkte anzupassen und die Angebote der Agentur im engen Austausch mit den Kunden zukunftsfähig zu gestalten. So zeigte eine Kundenumfrage unter anderem auf, dass sich der Bedarf in den Morgenstunden und der Bedarf an Symbolbildern stark gewandelt haben. Im Mittelpunkt des langfristig angelegten Prozesses stehen die Weiterentwicklung von Workflows, Strukturen und Rollenbildern sowie eine verbesserte Abstimmung mit dem Video-Team der dpa. 

Die große Bedeutung der Bilderdienste für den Gesamterfolg der dpa wird zusätzlich durch eine personelle Erweiterung in der Chefredaktion unterstrichen. Zu Jahresbeginn 2021 nahm Silke Brüggemeier, die zuvor mehrere Jahre die Fotoredaktion der Bild-Zeitung geleitet hatte, als stellvertretende Chefredakteurin und Chefin Bild ihre Arbeit auf.