Geschäftsbericht
2020
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Das Beratungsunternehmen Deloitte hat im Rahmen des Media Consumer Survey 2020 das Mediennutzungs­verhalten während der coronabedingten Einschränkungen untersucht. Die Studienautoren berichten, dass Online-News in dieser Zeit besonders  profitiert haben und viele Mediennutzer auch hinter der Bezahlschranke weiterlesen. Knapp ein Drittel der Zuwächse hätte sich als nachhaltiger Effekt erwiesen.

Während die deutschen Medien sich mit Auflagen­rückgängen und neuen digitalen Geschäftsmodellen beschäftigen, stehen viele freie und unabhängige Medien in Europa und der Welt auf andere Weise unter Druck. Im letzten Regierungsjahr der Trump-Administration gehörten verbale Angriffe auf Medienschaffende in den USA zum Alltag und fanden rund um den Wahltermin und mit der Erstürmung des Kapitols in Washington ihren traurigen Höhepunkt. Der Antritt der Regierung Biden lässt hoffen, dass die unabhängige Presse wieder einen höheren Stellenwert genießt und ein respektvoller Umgang miteinander gewährleistet wird.

Derweil sind in Europa Entwicklungen zu beobachten, die Anlass zu ernster Sorge geben. So kündigte der polnische Ölkonzern Orlen, der zu gut einem Viertel dem Staat gehört, im Dezember 2020 an, mit dem Kauf der Mediengruppe Polska Press 20 der 24 Regionalzeitungen des Landes zu übernehmen. Ein Gesetz zur „Repolonisierung der Medien“ wird derzeit vorbereitet, das ausländischen Eigentümern die Kontrolle von Medien unmöglich machen soll. Auch im EU-Land Ungarn müssen sich die verbliebenen unabhängigen Medien der weiter zunehmenden staatlichen Einengung erwehren. So hat der letzte unabhängige Radiosender (Klubradio) den Sendebetrieb eingestellt. Das Land belegt mittlerweile in der „Rangliste der Pressefreiheit“ der Organisation Reporter ohne Grenzen Platz 89 von 189 Ländern weltweit. In Slowenien übt Regierungschef Janez Janša zunehmend Druck auf die Medien aus. Er bezeichnete die slowenische Nachrichtenagentur STA mit Hinblick auf deren kritische Berichterstattung gar als eine „nationale Schande“.

Die Beziehung zwischen Medien und den multinationalen Plattformen war 2020 anhaltend spannungsgeladen, aber auch reich an neuen Entwicklungen. In Deutschland stand die Umsetzung der Europäischen Copyright-Direktive in nationales Recht zur intensiven Diskussion. Diese soll unter anderem die Plattformen zur Abgeltung von Rechten an Medien verpflichten. Gleichzeitig startete Google mit „News Showcase“ ein eigenes Programm zur Einbindung von Medieninhalten gegen Entgelt. An News Showcase nehmen zahlreiche deutsche Medien teil. Auch Facebook kündigt weitere bilaterale Programme für Medien an. In Australien eskalierte ein Konflikt zwischen Facebook und der australischen Regierung nach einer Gesetzesnovelle, die Plattformen zu Zahlungen an Medien zwingen sollte. Dieser Konflikt wurde Anfang 2021 beigelegt, indem Einvernehmen über Rahmenbedingungen für kommerzielle Vereinbarungen zwischen Facebook und den australischen Medien erzielt wurde.   

Viele Journalistinnen und Journalisten bezahlten 2020 ihre mutige Arbeit mit dem Leben. Reporter ohne Grenzen berichtet von erheblichen Gefährdungen für Medien­schaffende in vielen Ländern. Weltweit wurden 50 Menschen gezielt aufgrund ihrer journalistischen Tätigkeit getötet. Die gefährlichsten Länder waren Mexiko, Irak, Afghanistan, Indien und Pakistan. Insgesamt 387 Medien­schaffende saßen im Dezember 2020 weltweit im Gefängnis – allein 117 in China. Als trauriger Höhe­punkt kann die Hinrichtung des iranischen Bloggers Ruhollah Zam bezeichnet werden. Erstmals seit 30 Jahren wurde wieder die Todesstrafe an einem Medienschaffenden vollstreckt. Deutschland hat sich in der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit von Platz 13 auf Platz 11 verbessert.

Die Corona-Krise hat deutlich gemacht, dass die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik die Arbeit von unabhängigen Redaktionen in hohem Maße wertschätzt. Die Glaubwürdigkeit der Medien erreichte im Vergleich zu den Vorjahren einen neuen Höchstwert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Infratest dimap im Auftrag des WDR. So hielten im Befragungszeitraum September und Oktober 2020 ­­67 Prozent der Menschen die Informationen der deutschen Medien für glaubwürdig. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.