Geschäftsbericht
2020
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LAGEBERICHT



I. GRUNDLAGEN DES UNTERNEHMENS

Gegenstand des Unternehmens ist die Sammlung, Verarbeitung und Verbreitung von Nachrichten, Bildmaterial, Audios, Grafiken und Videos jeder Art. Zu diesem Zweck garantiert ein enges Netz von Redaktionen und Korre­spondentenbüros in Deutschland und der Welt eine eigene Nachrichtenbeschaffung, und zwar unparteiisch und unabhängig von Weltanschauungsfragen, Wirtschafts- und Finanzgruppen oder Regierungen. So schreibt es der Gesellschaftsvertrag der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH vor. Daran fühlen sich Unternehmensleitung sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen gebunden. 

Die dpa beliefert mit diesem Material alle Arten von Medien: Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunksender und Onlineangebote. Auch Institutionen, Organisationen und Unternehmen gehören zu den Kunden von Deutschlands größter Nachrichtenagentur und stellen neben den Medien wichtige Ertragssäulen dar. 

Mit seinen Diensten ist das Unternehmen im Wesentlichen im Inland tätig. Aus dem Inlandskundenkreis stammen auch die 174 Gesellschafter der dpa. Dazu werden im Ausland inzwischen in mehr als hundert Ländern dpa-Dienste angeboten und vertrieben, sowohl in deutscher Sprache als auch auf Arabisch, Englisch und Spanisch sowie auf Französisch, Polnisch und Russisch. Dadurch trägt die dpa dazu bei, deutsche Themen und die deutsche Perspektive im Ausland zu verbreiten sowie die wichtigen Werte der Pressefreiheit und Unabhängigkeit zu fördern.



II. WIRTSCHAFTSBERICHT

1. Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen

Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland stand 2020 ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Die Volkswirt­schaft rutschte in eine tiefe Rezession, ähnlich wie in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Nach Angaben des Statistischen Bundes­amtes (Destatis) fiel das preis­bereinigte Brutto­inlandsprodukt 2020 um fünf Prozent niedriger aus als im Vorjahr (+0,6 Prozent). Auch andere Indikatoren zeigen, dass die deutsche Wirt­schaft mit massiven Einbrüchen zu leben hat. So berichtet das Sta­tistische Bundesamt von spürbaren Rückgängen bei den Exporten (–9,9 Prozent) und bei den Importen (–8,6 Prozent). Auch die Be­schäftigten­zahlen entwickeln sich negativ. Nach über 14 Jahren endete 2020 der Anstieg der Erwerbs­tätigkeit in Deutschland und nahm um 1,1 Prozent ab. 

Der Kernmarkt der Deutschen Presse-Agentur bleibt trotz zum Teil rückläufiger Eckdaten grundsätzlich stabil. Die Transformation der Medienbranche spiegelt sich in der Entwicklung der gedruckten Auflagen und der Nutzung digitaler Angebote wider. Während im Printbereich die Zahlen kontinuierlich zurückgehen, steigt die Nutzung digitaler Angebote weiter an. Die Pandemie hat diesen Trend voraussichtlich zusätzlich beschleunigt.

Laut Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) erreichten die deutschen Zeitungen 2020 mit 52 Pro­zent weiterhin über die Hälfte der Bevölkerung (2019: 53,9 Pro­zent). Die Gesamtreichweite der Blätter lag bei 36,8 Millionen Leserinnen und Lesern ab 14 Jahren und damit leicht unter Vorjahr (38,1 Millionen). Mit 29,9 Millionen Leserinnen und Lesern (gegenüber 30,9 Millionen im Vorjahr) blieben die regionalen Abo-Zeitungen das Medium mit der höchsten Reichweite. Auch bei den Kaufzeitungen gingen die Zahlen 2020 zurück. Die Blätter wurden 2020 täglich von 8,9 Millionen Menschen gelesen (2019: 9,7 Millionen). Ein positiver Trend lässt sich erneut bei den überregionalen Abo-Zeitungen feststellen. 2020 griffen täglich 3,7 Millionen Menschen bei dieser Mediengattung zu (2019: 3,3 Millionen).

Die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.) bestätigt den Trend der vergangenen Jahre: Während die Printauflagen auch 2020 leicht gesunken sind, finden E-Paper und Paid-Content-Angebote weiterhin wachsenden Zuspruch. So stiegen die Verkäufe von elektronischen Zeitungen im Vergleich zum Vorjahr im dritten Quartal 2020* um rund ein Fünftel und lagen insgesamt bei 1,9 Millionen Exemplaren (2019: 1,6 Millionen). 

Weniger optimistisch gestaltete sich die Entwicklung bei den gedruckten Tageszeitungen. Insgesamt wurden im Verlauf des dritten Quartals 2020 einschließlich Sonntagsausgaben und Sonntagszeitungen mit durchschnittlich 14,2 Millionen Exemplaren pro Erscheinungstag 5,3 Prozent weniger verkauft (15,0 Millionen Stück im Vorjahresquartal). Auch die Publikumspresse hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen. So konnten im vierten Quartal 2020 mit 59,3 Millionen Exemplaren spürbar weniger Zeitschriften verkauft werden (Vorjahresquartal: 78,9 Millionen). 

Positiver entwickelten sich die Verkaufszahlen der Wochen­zeitungen. Sie konnten im vierten Quartal 2020 mit 1,7 Millionen Exemplaren (Vorjahr: 1,6 Millionen) bei den Gesamtverkäufen Print und Digital ein Auflagenplus von 2,6 Prozent für sich verbuchen. 

Insgesamt stehen die Zeichen klar auf Digitalisierung. So ermittelte die „E-Paper-Studie 2020“ des BDZV (Bundes­verband Digitalpublisher und Zeitungsverleger), dass mittlerweile jede achte verkaufte Zeitung ein E-Paper ist. Allein im zweiten Quartal 2020 stieg die E-Paper-Auflage um 20 Prozent auf über zwei Millionen Exemplare. 

Weitere Indikatoren machen deutlich, dass das Digitalgeschäft an Bedeutung zunimmt und damit immer stärker die Rahmenbedingungen für die Zukunft der Branche setzt. So zeigt ein Blick auf die IVW-gezählten Online-Angebote, dass die Nutzung von Portalen und Nachrichtenplattformen im Jahresvergleich spürbar gestiegen ist. 2020 wurden insgesamt 15 Prozent mehr Seitenaufrufe und sieben Prozent mehr Webseiten-Besuche erzeugt als im Vorjahr. Dabei ist es bemerkenswert und für die Ausrichtung von neuen Geschäftsmodellen bedeutsam, dass 70 Prozent aller Visits auf Smartphones und Tablets zurückzuführen sind.

Die auf Deutschland bezogenen Ergebnisse des Reuters Institute Digital News Report 2020 unterstützen diesen Trend. So berichtet die Studie, dass mittlerweile 82 Prozent der 18- bis 24-Jährigen das Internet nutzt, um sich über das Nachrichtengeschehen zu informieren. Für 72 Pro­zent ist das Web gleichzeitig ihre Hauptnachrichtenquelle. Die Nutzung von Podcast-Angeboten stieg spürbar. Auch hier ist die junge Zielgruppe Vorreiter. 54 Prozent der 18- bis 24-Jährigen hören mittlerweile Podcasts.  


* Aufgrund des Hackerangriffs auf die IT-Systeme der FUNKE-Mediengruppe lagen zum Zeitpunkt, als dieser Bericht verfasst wurde, keine IVW-Zahlen für die Tageszeitungen im vierten Quartal 2020 vor.