Geschäftsbericht
2020
11/55

(Matthias Mahn, Andreas Schmidt, Peter Kropsch, v. l.)

„Ein Jahr ohne Baustelle ist ein verlorenes Jahr“

Von Peter Kropsch

Wenn die digitale Transformation und eine globale Pandemie zeitlich zusammenfallen, wird der Veränderungsdruck stark – Unternehmen, Märkte und Gesellschaften verändern sich nachhaltig. Auf dem Weg in die neue Realität reißen wir zahlreiche „Baustellen“ auf. Im Falle der dpa erstrecken sich diese Baustellen von Strategien über Prozesse bis hin zu ganz klassischen, echten Bauprojekten. Die Fortschritte sind dabei schon deutlich zu sehen.

Bereits in den letzten Jahren haben wir zahlreiche Entwicklungen eingeleitet. Wir richteten unsere Produkte an digitalen Nutzergruppen und Use­cases aus. Wir haben in Plattformen investiert, um uns zu einem Marktplatz für Nachrichtenprofis zu entwickeln. Wir haben uns in vielen Teilen der Redaktion, in Technik und Vertrieb neu aufgestellt. Die letzten Monate brachten bei alldem eine brutale Beschleunigung. Wir setzen alles daran, dass wir aus dem, was wir jetzt in Corona-Zeiten erleben, maximal lernen. Es ist – hoffent­lich – eine einmalige Gelegenheit. 

Konstruktive Veränderungen erfordern stets ein Ziel und einen Bauplan. Wenn wir uns die Zukunft vorstellen und die Rolle der dpa darin skizzieren oder beschreiben, haben wir ein klares Bild vor Augen: 

Mit ihren journalistischen Kernprodukten ist die dpa ein Leuchtturm, der den Menschen inmitten einer unfassbaren Menge an Informationen den Weg weist. Faktentreue, Verlässlichkeit und Unabhängigkeit sind die Eigenschaften, mit denen unsere Dienste einen wesentlichen Beitrag für unsere Kunden und die gesamte Gesellschaft leisten.



„Mit ihren journalistischen Kernprodukten ist die dpa ein Leuchtturm, der den Menschen inmitten einer unfassbaren Menge an Informationen den Weg weist. Faktentreue, Verlässlichkeit und Unabhängigkeit sind die Eigenschaften, mit denen unsere Dienste einen wesentlichen Beitrag für unsere Kunden und die gesamte Gesellschaft leisten.


Rund um diese journalistischen Kernprodukte gruppiert sich eine Reihe von Aktivitäten in der dpa und in unseren Tochtergesellschaften, die in ihren jeweiligen Märkten eine führende Position haben. Sie entwickeln sich entlang der Konzernstrategie und sichern die wirtschaftliche Position der dpa ab. Denn Unabhängigkeit im journalistischen Kernbereich ist stets ein Faktor der wirtschaftlichen Stärke. 

Unsere drei handlungsleitenden Prinzipien in der gesamten Gruppe sind die konsequente Ausrichtung am Kundennutzen, der nachhaltige Bürokratieabbau in allen Prozessen und die Bereitschaft zur Investition in Menschen, Märkte und Technologien.

An diesem Bauplan hat sich durch die globale Pandemie nichts geändert. Sehr wohl aber an der Geschwindigkeit, in der wir unsere Vorhaben umsetzen wollen. Sie ist wesentlich größer geworden.


dpa baut an den Neuen Arbeitswelten

Noch während Deutschland von der ersten Corona-Welle durchgeschüttelt wurde, haben wir begonnen, uns die „Zeit danach“ vorzustellen. Denn es war klar, dass viele Veränderungen nachhaltig sind und es kein Zurück mehr in die Zeit davor geben wird. Corona zeigt uns den Weg in neue Arbeitswelten. 

Unsere Digitalkompetenz nimmt sprunghaft zu: Als im März 2020 praktisch alle großen Standorte wegen möglicher Corona-Ansteckungen nach Kontaktfällen von einem Tag auf den anderen schlossen, war Präsenzbetrieb keine Option mehr. Die Umstellung auf eine komplett digitale Organisation funktionierte dank guter Vorbereitung reibungslos. Unsere Lernkurve im Umgang mit Videokonferenzen, digitalen Workshops, digitalen Unterschriften und allen Abstimmungen im Alltag stieg steil. 

Das gilt genauso für die Kommunikation nach außen: Wir leben vom Austausch mit Kunden, mit Interviewpartnern und einer Vielzahl weiterer Menschen außerhalb des Unternehmens. Diese Kommunikation läuft seit März 2020 überwiegend per Videokonferenz. Es ist verblüffend, um wie viel kurzfristiger Ansprechpartner für ein Video-Meeting verfügbar sind als für eine „normale“ Terminvereinbarung. Damit werden Entscheidungsprozesse dramatisch kürzer. Die dpa ist definitiv wesentlich schneller geworden – fast wie ein Start-up, möchte ich manchmal meinen. Gleichzeitig sind die Reisekosten fast zur Gänze weggefallen. Man muss kein Prophet sein, um anzunehmen, dass das Volumen an Dienstreisen in den neuen Arbeitswelten dramatisch unterhalb jenem von der Zeit vor Corona liegen wird.

Mobiles Arbeiten löst die Präsenz-Doktrin ab: Die Möglichkeit, praktisch von überall zu arbeiten, wo eine Digitalverbindung verfügbar ist, wird zum Alltag. Unsere Studien zeigen, dass wir bei gleichbleibender Teamgröße wahrscheinlich 30 Prozent weniger physische Arbeitsplätze brauchen werden. Die Arbeit „vor Ort“ wird Hand in Hand mit dem Remote-Arbeiten gehen. Die Bedeutung unserer Standorte als funktionierender sozialer Raum wird steigen. Darauf müssen wir auch unsere Gebäude ein- und ausrichten.

Die dpa-Zentrale am Hamburger Mittelweg ist der Modellstandort für die Neuen Arbeitswelten. Gemischte Teams arbeiten bereits seit Juni 2020 an entsprechenden Konzepten. Der Hamburger Standort ist prädestiniert, weil hier mehrere Unternehmen an einem Standort vertreten sind. Gleichzeitig entsteht durch die Zusammenführung verschiedener IT-Abteilungen der Gruppe und die wachsenden Geschäftsbereiche dpa-infocom und Custom Content ein dynamischer Flächenbedarf. 

Wir nutzen die Zeit, in der das Gebäude coronabedingt beinahe leer steht, für die Umbauten. Der Eingangsbereich wurde um eine Kommunikationszone erweitert, der ehemalige Newsroom generalsaniert. Die Zentrale Hamburg wird der erste Standort sein, in dem Shared Desks, Funktionsarbeitsräume und die neue Art des Arbeitsalltags Realität werden.

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