Geschäftsbericht
2020
16/55

Zurück in die Zukunft

Corona beschleunigt nur, was sich im Journalismus ohnehin ändern muss. Die dpa-Redaktion wird künftig anders arbeiten. Eine Vision.

Von Sven Gösmann
abc

Die digitale Welt ist eine Welt ohne Enden. Auch für den Journalismus bedeutet das einen Paradigmenwechsel. Die neue Rubix-dpa soll darauf unsere Antwort sein. Unser Illustrator Victor Belser hat sich dafür von dem niederländischen Künstler M.C. Escher (1898–1972) und dessen „Unmöglichen Räumen“ inspirieren lassen. Aber: Das Rubix-Universum ist ganz im Gegenteil ein möglicher Raum für zukunftsfähigen Agenturjournalismus, der permanent seine Perspektiven verändern und schärfen muss.

Vor einem Jahr saß ich schon einmal in meinem Kellerbüro daheim in Berlin vor einem leeren Monitor. Gerade hatte dieses mysteriöse Virus unsere Redaktionen geleert. Die dpa schickte aller­orten Kuriere mit Bildschirmen und Laptops, Webcams und Headsets in die Wohnungen der Redakteurinnen und Redakteure. Der Betrieb ging weiter. Teilweise lief er sogar glatter als vorher in vollen Newsrooms.
 
Wirklich schon ein Jahr? Wenn dieser Geschäftsbericht zu unserer diesjährigen Gesellschafterver­sammlung erscheint, wird es sogar schon länger sein. Das „New Normal“ heißt nur noch so. Es fühlt sich aber mittlerweile ziemlich old an.

„Nichts wird mehr so sein, wie es einmal war.“ Dieser Satz fällt oft nach historischen Ereignissen, die sich mit unvergesslichen Daten verbinden. In unserem Fall einigen wir uns auf dieses Datum: 17. März 2020. Da informierten wir die Kunden, dass wir unseren Berliner Newsroom evakuieren würden.

„Vorerst stellt der dpa-Newsroom auf mobiles Arbeiten um“, kündigte Nachrichtenchef Froben Homburger am 17. März 2020 auf Twitter an. Das schien damals noch das wahrscheinliche Szenario zu sein.


Wie wird es weitergehen für den Nachrichtenjournalismus einer postpandemischen Welt? Was kommt, wenn die Redaktionen sich wieder füllen – bei unseren Kunden und uns? Dies soll deswegen kein normaler Rechenschaftsbericht des Chefredakteurs sein, wie gut wir die Krise bislang gemeistert haben. Das haben Sie und Ihre Redaktionen uns dankenswerterweise häufig bestätigt. Und uns auch immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wenn wir nachlässig wurden oder Dinge nicht so gut liefen. Dafür gebührt Ihnen sogar der noch größere Dank. Denn aus unseren Erfolgen lernen wir. Doch aus unseren Fehlern lernen wir mehr.

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