Geschäftsbericht
2019
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III. PROGNOSE-, CHANCEN- UND RISIKOBERICHT 

1. Prognosebericht 

Die dpa hat sich 2019 weitgehend entlang der Erwartungen entwickelt und mit einem Ergebnis von knapp 1,3 Mio. Euro den Prognosewert aus dem Vorjahr am oberen Rand des Zielkorridors getroffen.

Für das Geschäftsjahr 2020 erwarten wir trotz anhaltender Auflagenverluste und damit verbundener Erlösrückgänge im Kernmarkt ein kleines Umsatzwachstum. Gepaart mit rückläufigen Kosten durch den Wegfall von hohen Einmalaufwendungen, aber auch leicht sinkenden Ergebnisbeiträgen der Tochtergesellschaften rechnen wir damit, erneut ein Ergebnis von knapp über 1,0 Mio. Euro zu erzielen. 

Dabei werden neben der positiven Entwicklung der neueren Aktivitäten wie z. B. Custom-Content oder dpa-Agenda sowie dem sich gut entwickelnden Marktsegment Nicht-Medien insbesondere die Neustrukturierung des Spanischen Dienstes, die Ausweitung der zentralen Eingabe in Berlin und eine zyklisch wieder niedrigere Mittelzuführung zur dpa-Unterstützungskasse ergebnisbeeinflussende Faktoren sein. 

Nun trafen zum Ende des ersten Quartals 2020 die Auswirkungen der Corona-Pandemie die gesamte Wirtschaft in beispielloser Art und Weise. Deren Folgen für die dpa haben den Umständen entsprechend keinen Eingang in die Planung gefunden. Zum jetzigen Zeitpunkt Mitte März können wir keine belastbaren Aussagen über Umsatz- und Ergebnisentwicklung treffen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Planwerte unter diesen Umständen verfehlt werden.

Perspektivisch sind wir auch für das Jahr 2021 von leicht steigenden Gesamtumsätzen ausgegangen. Inwieweit wir daran festhalten können, wird sich aus der Dauer der Krisensituation und ihren Nachwirkungen ergeben. In jedem Fall ist eine Neubewertung im Herbst 2020 vorzunehmen.


2. Chancen- und Risikobericht 

Die Deutsche Presse-Agentur blickt auf ein insgesamt erfolgreiches Jahr zurück, in dessen Mittelpunkt ein solider Gewinn von mehr als einer Million Euro steht. Ebenso zeigt das Berichtsjahr zahlreiche unternehmerische und redaktionelle Entscheidungen, deren Ziel es ist, Deutschlands größte Nachrichtenagentur zukunftsfähig und langfristig erfolgreich zu machen.

Erneut hat sich die Strategie der Diversifikation ausgezahlt. Tochterunternehmen wie die dpa-infocom GmbH, die news aktuell GmbH sowie die dpa Picture-Alliance GmbH haben einen wesentlichen Teil zum Gesamterfolg der dpa-Gruppe beigetragen. Es zeigt sich, dass im Markt der digitalen Nachrichtendienste, im Bereich der PR- und Kommunikationsservices sowie im Zweitverkauf von Bildmaterial nach wie vor große Wachstumschancen liegen. Die Unternehmensleitung von dpa wird dieser Entwicklung ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit widmen und den Ausbau dieser Geschäftsfelder weiter vorantreiben. 

Eine große Herausforderung für die dpa ist die Entwicklung der Zeitungsauflagen in Deutschland, an denen sich die Entgelte für die Basisdienste bisher orientiert haben. Die Geschäftsleitung der dpa hat ein neues Preismodell vorgelegt, das die Online-Reichweiten stärker berücksichtigt sowie in Relation zu den Zeitungsauflagen setzt und damit insgesamt für mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit sorgt. Die Einführung des Modells ist zunächst auf fünf Jahre angelegt. Die dpa wird sich im intensiven Kundendialog dafür einsetzen, die neue Bemessungsgrundlage als allgemeingültigen Standard zu etablieren und dabei auch den individuell unterschiedlichen Kundeninteressen Rechnung tragen.

Das neue Preismodell wird die Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung in den kommenden Jahren sein. Ungeachtet dessen können die neuen Regelungen nicht vor Umsatzeinbußen schützen, sollten einzelne Titel ihre Erscheinungstage reduzieren oder den Betrieb eventuell sogar gänzlich einstellen.

Ein weiterer Aspekt der strategischen Unternehmensentwicklung ist die dpa ID und der damit verbundene Marktplatzgedanke. Die entsprechende digitale Plattform konnte im Berichtsjahr so weit ausgebaut werden, dass der Großteil der dpa-Produkte via dpa ID miteinander verbunden ist. Außerdem bietet ein erster externer Partner seine Produkte dort an. Die Verwendung der dpa ID in großer Zahl durch unsere Kunden sowie die Gewinnung weiterer Plattformpartner stellen eine wichtige Herausforderung für die Agentur dar. 

Die dpa arbeitet intensiv daran, den Nutzwert der Agentur auf Kundenseite zu erhöhen und damit Ver­lagen, Rundfunk und Online-Medien ein Produkt bereitzu­stellen, das als eine maßgebliche Ressource bei der täglichen Erstellung von Medienprodukten wahrgenommen wird. Deshalb hat die Redaktion weiter in die Möglichkeiten dateninformierter Nachrichtendienste investiert. Im ersten Halbjahr hat eine stellvertretende Chefredakteurin und Chefin Produkt und Innovation ihre Tätigkeit aufgenommen und baut ein Team aus Daten- und Digital­experten auf, deren Erkenntnisse bei der weiteren Produktentwicklung und -optimierung eine wesentliche Rolle spielen werden.  

Neben den wachstumsstarken Tochterunternehmen ist es der dpa gelungen, auch unter dem Dach der Kerngesellschaft in verschiedenen Bereichen für steigende Umsätze zu sorgen. Hier sind insbesondere die Aktivitäten unter der Marke Custom Content zu nennen. So werden dort losgelöst von der Berliner Zentralredaktion passgenaue Publikationen, Briefings, Newsletter und andere Formate für Kunden aus dem Business- und Governance-Bereich erstellt. In diesem Bereich sieht die Geschäftsleitung großes Potenzial für ein stetiges und spürbares Wachstum. 

In diesem Zusammenhang muss aber auch die nicht zufriedenstellende Entwicklung der Investitionen in die Contiago GmbH genannt werden. Die Content-Lizenzierungs-Plattform, die kleine und mittelstän­dische Unternehmen mit Inhalten für ihre Websites ver­sorgen sollte, hat am Markt leider nur wenig Resonanz erfahren. Contiago ist nun dabei, sein Geschäftsmodell zu adaptieren. Die dpa hat deshalb einen Großteil des Investments im Berichtsjahr abgeschrieben.

Um dem Ausfall- und Liquiditätsrisiko der Finanzanlagen und den damit verbundenen Forderungen zu begegnen, betreibt die dpa ein aktives Finanzrisikomanagement. Liquiditätsüberschüsse werden kurz- und mittelfristig gemäß den vorgegebenen Richtlinien werthaltig angelegt. Durch die Besetzung von Organfunktionen bei verbundenen Unternehmen und Beteiligungen durch eigene Mitarbeiter und die Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips können wir Risiken minimieren und jederzeit kurzfristig auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (einschließlich der gegen Gesellschafter) werden zeitnah verfolgt und durch ein konsequentes Forderungsmanagement reduziert.

Die dpa ist abhängig von einer jederzeit funktionierenden IT-Infrastruktur. Risiken bestehen durch technische System­ausfälle (Stromausfall) oder externe Eingriffe wie Hackerattacken oder Ähnliches. Zur umfang­reichen Sicherungsstruktur zählen Notstromaggregate, die ständige Datensicherung und -spiegelung sowie eine umfangreiche Firewall- und Sicherungsarchitektur.

Die Geschäftsleitung der dpa hat 2019 ein besonderes Augenmerk auf diesen Unternehmensteil gelegt und in enger Absprache mit dem Chief Technology Officer (CTO) der dpa-Gruppe ein übergreifendes Programm gestartet, um die Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit der einzelnen IT-Bereiche auszuloten. Im Rahmen dieses Programms geht es unter anderem um gemeinsame Rechenzentren, übergreifende Cloudlösungen und gruppenweit standardisierte IT-Ausstattungen für die Arbeitsplätze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieser Prozess wird sich über die kommenden Jahre erstrecken und wertvolle Effekte auf die Effizienz und Leistungsstärke der dpa-IT zeigen.

Aktuell sind keine bestandsgefährdenden Risiken erkennbar, deren Eintritt wahrscheinlich ist.

Allerdings hat sich durch das Eintreten der Corona-Pandemie ein neues Szenario gebildet, das in die künftigen Bewertungen Eingang finden muss. Zunächst tritt in solchen Fällen eine erhöhte Nachfrage nach den Diensten der dpa auf, weil das Informationsbedürfnis der Bevölkerung sprunghaft ansteigt. Gleichzeitig sinkt die Kaufkraft eines Teiles unserer Kunden durch den Stillstand weiter Wirtschaftsbereiche schlagartig. Ein derartiges Szenario muss den Umgang mit kurzfristigen Umsatz- und Ertragseinbrüchen einbeziehen.