Geschäftsbericht
2019
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LAGEBERICHT



I. GRUNDLAGEN DES UNTERNEHMENS

Gegenstand des Unternehmens ist die Sammlung, Verarbeitung und Verbreitung von Nachrichten, Archiv- und Bildmaterial jeder Art. Zu diesem Zweck garantiert ein weltumspannendes Netz von Redakteuren und Reportern die eigene Nachrichtenbeschaffung, und zwar unparteiisch und unabhängig von jeglichen Weltanschauungsfragen, Wirtschafts- und Finanzgruppen oder Regierungen. So schreibt es der Gesellschaftsvertrag der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH vor. Daran fühlen sich Unternehmensleitung sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen gebunden.

Beliefert werden mit diesem Material alle Arten von Medien: Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunksender genauso wie Onlineangebote. Auch Parlamente, Verbände, Stiftungen und Unternehmen gehören zu den Kunden der dpa und stellen neben den Medien immer wichtigere Ertragssäulen dar.

Mit seinen Nachrichtenprodukten ist das Unternehmen im Wesentlichen im Inland tätig. Aus dem Inlandskundenkreis stammen auch die 179 Gesellschafter der dpa. Doch auch im Ausland werden inzwischen in mehr als hundert Ländern dpa-Dienste angeboten und vertrieben, sowohl in deutscher Sprache als auch auf Arabisch, Englisch und Spanisch. Dadurch trägt die dpa dazu bei, deutsche Themen und die deutsche Perspektive im Ausland zu verbreiten sowie die wichtigen Werte der Pressefreiheit und Unabhängigkeit zu fördern.



II. WIRTSCHAFTSBERICHT

1. Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland hat 2019 weiter an Schwung verloren, berichtet das Statistische Bundesamt (Destatis). In der längsten Wachstumsphase der Bundesrepublik Deutschland ist das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt zwar zum zehnten Mal in Folge gestiegen, lag aber nur noch 0,6 % über dem Vorjahres­wert. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hatte 2018 noch 1,5 % betragen. Der Zuwachs im Bereich Information und Kommunikation fiel mit einem Plus von 2,9 % deutlich höher aus als das gesamtwirtschaftliche Ergebnis, was sich positiv auf das Geschäft von Verlagen und Plattformen ausgewirkt haben dürfte.

Der Kernmarkt der Deutschen Presse-Agentur ist trotz erneut leicht rückläufiger Eckdaten weiterhin stabil. Dies zeigen die Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Media-­Analyse (agma). So erreichten die deutschen Zeitungen 2019 mit 53,9 % weiterhin über die Hälfte der Bevölkerung (2018: 55,8 %). Die Gesamtreichweite der Blätter liegt bei 38,1 Mio. Leserinnen und Lesern ab 14 Jahren und damit nur leicht unter Vorjahr (39,3 Mio.). Teilweise gibt es sogar leichte Zuwächse: Die über­­re­gionalen Abo-Zeitungen verzeichnen ein Wachstum auf insgesamt 3,3 Mio. Konsumenten (Vorjahr: 3,1 Mio.). Mit 30,9 Mio. Leserinnen und Lesern (gegenüber 31,7 Mio. im Vorjahr) bleiben die regionalen Abozeitungen weiterhin das Medium mit der höchsten Reichweite. 

Ein ähnliches Bild fortgesetzter leichter Rückgänge zeichnet die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.). Demnach ging die Anzahl der verkauften Tageszeitungen einschließlich der Sonntagsausgaben und Sonntagszeitungen weiter zurück. Das vierte Quartal zeigt ein Minus zum Vorjahresquartal von rund vier Prozent. Dagegen kann die Branche bei e-Papern zweistellige Wachstumsraten vorweisen. So stiegen die Verkäufe von elektronischen Zeitungen im Vergleich zum Vorjahr um 17 % (2018: 14 %), bei den Publikumszeitschriften gestaltete sich das Wachstum mit 20 % ähnlich wie im Vorjahr (19 %). Insgesamt nehmen e-Paper einen immer größeren Anteil an der Gesamtauflage ein. Die IVW weist für das vierte Quartal 2019 insgesamt 1,62 Mio. (2018: 1,39 Mio.) verkaufte Digital-Zeitungen aus. Diese Zahlen stellen ein ermutigendes Signal für die Branche dar.

Insgesamt geht die Mehrheit der Verleger davon aus, dass es noch etwa fünf Jahre dauert, bis die Digital-Erlöse die Print-Verluste ausgleichen können. Das ergab eine Umfrage des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), deren Ergebnisse im Februar vorgelegt wurden. Demnach werden weiterentwickelte Paid-Content-Modelle, neue digitale Vertriebskonzepte, Newsletter und Podcasts für eine Trendumkehr sorgen. Aber auch kurzfristig wird das Digitalgeschäft weiter spürbar an Relevanz gewinnen, so die BDZV-Studie. Fast jeder zweite Befragte (47 %) erwartet eine Steigerung der Paid-Content-Erlöse um mehr als 20 % schon in diesem Jahr. 

Weltweit stehen die Pressefreiheit und der von politischen und wirtschaftlichen Interessen unabhängige Journalismus weiterhin stark unter Druck. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ berichtet, dass 2019 weltweit 49 Menschen gezielt aufgrund ihrer journalistischen Tätigkeit getötet wurden. Die gefährlichsten Länder sind dabei Syrien und Mexiko mit jeweils 10 Todesopfern. Ebenfalls besorgniserregend hoch ist die Zahl der entführten Medienschaffenden. „Reporter ohne Grenzen“ zählt für das Jahresende 2019 57 entführte Personen, von denen es vielfach bereits über einen längeren Zeitraum hinaus kein Lebenszeichen mehr gegeben hat. Insgesamt 389 Medienschaffende saßen im Dezember 2019 weltweit im Gefängnis – darunter 25 in der Türkei. 

Die Gefährdung von Journalistinnen und Journalisten ist kein Phänomen, das sich ausschließlich auf Kriegs- und Krisenregionen beschränkt. So dauert die Aufklärung der Morde an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia und dem slowakischen Journalisten Ján Kuciak weiter an. Während der Fall in Malta zum Rücktritt des Regierungschefs geführt hat, wurde der ehemalige slowakische Generalstaatsanwalt festgenommen. Beide Fälle unterstreichen die große gesellschaftliche und politische Bedeutung dieser Verbrechen.

Insgesamt kommt „Reporter ohne Grenzen“ in der Rangliste der Pressefreiheit 2019 zu dem Schluss, dass sich die Situation um die Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten in Europa weiter verschlechtert hat. Insbesondere Serbien und Tschechien werden hier genannt. Deutschland selbst konnte sich von Rang 15 auf Rang 13 verbessern. In erster Linie aber wegen der Verschlechterung in anderen Ländern. Die Anzahl der tätlichen Angriffe in Deutschland ist laut „Reporter ohne Grenzen“ sogar weiter angestiegen, nämlich auf 22 Fälle im Jahr 2018. Das European Centre for Press & Media Freedom (ECPMF) aus Leipzig nennt für das Folgejahr 2019 mit 14 Fällen eine geringere Zahl, stellt aber gleichzeitig fest, dass Angriffe auf die Presse inzwischen als Normal­zustand bezeichnet werden können. 

Trotz dieser teilweise besorgniserregenden Entwicklungen sind aber auch positive Trends in Bezug auf die Wahrnehmung von Medien und ihrer Inhalte sichtbar geworden. So zeigt das jährliche Edelman Trust Barometer in seiner aktuellen Ausgabe, dass das Vertrauen der Deutschen in die klassischen Medien erneut gestiegen ist (2019: 49 %, plus 5 Prozentpunkte). Damit sind Zeitungen, Online-Auftritte, Hörfunk und TV die Institu­tionen, denen die Deutschen am meisten vertrauen.

Die dpa als unabhängige international agierende Nachrichtenagentur setzt sich mit aller Kraft für die Stärkung der Pressefreiheit und den Schutz von Journalistinnen und Journalisten ein. Eine freie und pluralistische Gesellschaft ist das Fundament, auf dem die dpa ihrer Aufgabe, verlässliche Berichte in Wort, Bild und Ton in höchster journalistischer Qualität an die Medien auszuliefern, gerecht werden kann.