Geschäftsbericht
2019
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Grußwort der Geschäftsführung

Peter Kropsch, Vorsitzender der dpa-Geschäftsführung


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der dpa,

für die dpa war und ist die Corona-Pandemie eine beispiellose Herausforderung. Ihre Folgen und Spätfolgen sind im April 2020, als diese Zeilen geschrieben werden, noch nicht absehbar. In der Krise hat die dpa gezeigt, dass die Medien und Deutschland insgesamt auf ihre Nachrichtenagentur setzen können. Die dpa konnte zudem ihren Kunden durch mobile Zugänge und unbürokratische Freischaltung von zusätzlichen Services Unterstützung in dieser außergewöhnlichen Situation bieten.  

Trotz schwierigster Arbeitsverhältnisse unserer Teams in den Auslandsbüros, allen voran Peking und Rom, trotz temporärer Schließungen des Berliner Newsrooms, der Hamburger Zentrale und mehrerer Standorte hat die dpa durchgehend verlässlich geliefert. Auch alle Tochtergesellschaften und Servicebereiche waren voll handlungsfähig. Die Notfallpläne und die Vorkehrungen für mobiles Arbeiten haben sich sehr bewährt. Die Leistungen unserer Kolleginnen und Kollegen im In- und Ausland waren und sind sehr beeindruckend.

Doch es gibt auch vieles zum vergangenen Jahr zu sagen: 2019 war durchaus „sportlich“. Es galt, jede Menge Chancen zu nutzen und Herausforderungen zu meistern. Aber es war auch ein Jahr, in dem sich Vergangenheit und Zukunft trafen. Ein Höhepunkt war der Festakt zum 70-jährigen Bestehen der dpa als Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Medien. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte in seiner Festrede: „Wem an der Demokratie in unserem Land gelegen ist, der wird auch die Deutsche Presse-Agentur erhalten wollen, und wer investiert, um das Erreichte für die Zukunft zu sichern, der macht sich verdient um beide, die Demokratie und den unabhängigen Journalismus.“   

Unabhängiger Journalismus benötigt zunächst einmal ein solides wirtschaftliches Fundament. 2019 war für die dpa ein solides Jahr. Der Gewinn der Unternehmensgruppe liegt im Zielbereich. Was uns aber besonders freut, ist das Wachstum von fast zwei Prozent in der Gruppe. Die dpa erreicht nun einen Umsatz von klar über 140 Millionen Euro. Auch in der dpa-Muttergesellschaft selbst, die jedes Jahr die Umsatzrückgänge in Folge der Auflagenverluste unserer Tageszeitungskunden zu verdauen hat, konnten wir bis auf wenige tausend Euro den Vorjahreswert halten. 

Nicht nur der Ausbruch einer Pandemie sorgt für rasch härter werdende Bedingungen für unsere Medienkunden. Allen voran stehen die Anforderungen der digitalen Transformation und eine noch nie dagewesene Dynamik der Nachrichtenlagen. Letztere wird noch durch falsche Informationen verschärft, die sich aus dem allgegenwärtigen Social Buzz ergeben oder von strategischen Kommunikatoren gezielt eingesetzt werden. 

Die Chefredaktion baut das Video-Angebot und neue multimediale Services massiv aus. Die Entwicklung erfolgt aus dem neu geordneten redaktionellen Produktmanagement. Die Verification-Einheit im Newsroom hat sich ausgezeichnet etabliert und wird ihre Services auch über die Grenzen Deutschlands hinaus ausrollen. Für eine unserer Partneragenturen wird die dpa den internationalen Nachrichtenteil für deren Basisdienste zuliefern. 

Nach drei Jahren Entwicklungszeit ist die dpa-ID-Plattform live gegangen. Bereits rund 10.000 Nutzer haben eine dpa ID als Zugangsschlüssel gelöst. Die dpa-ID- Plattform wird ein zentraler Marktplatz mit Services und Tools für Nachrichtenunternehmen. Professionelle Nutzer erhalten Zugang zu dpa-Produkten – aber auch zu Diensten anderer Anbieter. Sie können bereits erste Angebote abrufen. 

Eine sehr vielversprechende Innovation ist die sogenannte Reporter-App. Als Vorläufer einer neuen Redaktionssystems-Generation ist sie zwar an sich nur ein sehr kleiner, erster Baustein. Aber an diesem zeigt sich das neue Denken: Die Anwendung ist für Mobiltelefone optimiert, funktioniert mit geringen Bandbreiten und nutzt die Features der Geräte, zum Beispiel die Spracheingabe. Vor allem ist die Reporter-App so konzipiert, dass sie später auch von unseren Kunden genutzt werden kann: Die digitale Welt ist eine Welt der Zusammenarbeit – und nach diesem zentralen Gedanken baut die dpa künftig ihre Systeme.

Um die technische Basis zu verbessern, hat die dpa ihre IT-Units im Rahmen des Projektes Aurora sowohl für Betrieb als auch für die Entwicklung grundlegend neu gestaltet. Das versetzt uns in die Lage, Innovationsprojekte wesentlich schneller voranzutreiben. Mit Jahresende 2019 ist die „dpa-IT“ in ihrer neuen Struktur unter neuer Führung an den Start gegangen. 

Sehr gute Ergebnisse lieferten unsere Tochtergesellschaften. news aktuell und dpa-infocom haben Bestwerte in Umsatz und Ergebnis erzielt. Auch unsere Frankfurter Bild-Tochter dpa Picture-Alliance hat wesentlich über den Erwartungen abgeschlossen. Die nun ganz zur dpa-Gruppe zählende news aktuell Schweiz lieferte Ergebnisse über Plan. Mehr dazu im Lagebericht weiter hinten.

Eine Nachrichtenagentur benötigt strategisch denkende Eigentümer. Über solche kann sich die dpa freuen. Das wohl klarste Zeichen ist die Verabschiedung eines neuen Preismodells für die dpa-Basisdienste durch den Aufsichtsrat im Dezember. Nach über zwei Jahren Entwicklungszeit ermöglicht es die barrierefreie Nutzung von sieben zentralen dpa-Diensten in allen Kundenanwendungen. Dies entspricht maßgenau den Produktionsprozessen unserer Kunden. Die Berechnung verbindet digital und analog zu einer „Integrierten Reichweite“. Sie ist so einfach, dass sie auf den sprichwörtlichen Bierdeckel passt. Steve Krug, US-Experte für User Experience, hat als Erfolgsvoraussetzung für digitale Anwendungen das Prinzip „Don’t make me think“ geprägt. Dieses gilt auch für das neue dpa-Preismodell.

Ein besonderer Dank von Chefredaktion und Geschäftsführung gilt den weit über tausend Kolleginnen und Kollegen im Team der dpa-Gruppe. Ohne sie läuft gar nichts. Wir alle haben verinnerlicht, dass wir permanent vorbereitet sein müssen. Denn die Corona-Krise wird sicher nicht die letzte große Herausforderung für uns, unsere Kunden, Eigentümer, Partner und Deutschland gewesen sein. 


Ihr

Peter Kropsch

Hamburg, im April 2020